Allein beim Anblick von verwesendem Fleisch rümpfen wir die Nase. Wir würden krank werden, wenn wir Aas essen. Für viele Tiere hingegen gehören Kadaver fest zu ihrem Speiseplan. Als Aasfresser übernehmen sie eine sehr wichtige Aufgabe in der Natur.
Vielleicht kennst du so eine Szene aus einem Tierfilm: Ein Rudel Löwen hat erfolgreich Jagd auf ein Zebra gemacht. Sie fressen an ihrer Beute, bis sie satt sind, und ziehen weiter. Stunden später machen sich ein paar Hyänen über das angeknabberte Zebra her. Oben in der Luft kreisen bereits die Geier. Sie warten darauf, dass die Hyänen etwas übrig lassen.
Verwesendes Fleisch nennen wir auch Aas. Würden wir Fleisch essen, das schon den ganz Tag in der Sonne herum lag, würde uns wahrscheinlich furchtbar übel werden. Verwesendes Fleisch ist nicht gut für uns. Denn sobald ein Tier gestorben ist, beginnt es sich zu zersetzen. Bakterien nehmen dann ihre Arbeit auf und vermehren sich im Fleisch. Dabei geben sie giftige Stoffe ab, die uns krank machen würden.
Starke Abwehr
„Viele Tiere vertragen dieses Gift aber“, erklärt der Tier-Fachmann Matthias Papies. „Wer Aas frisst, hat eine starke Magensäure und Darmflora, die die Bakterien abtötet. Außerdem sind ihre Abwehrkräfte besser als unsere.“ So können Aasfresser Tiere verzehren und verdauen, die schon länger tot sind. Manche von ihnen verputzen alles bis auf die Knochen.
Aasfresser haben einen entscheidenden Vorteil: Sie können sich die Arbeit sparen ein Tier zu jagen. Das nutzen Tiere aus dem ganzen Tierreich: Säugetiere, Reptilien, Fische, Insekten. Auch bei uns in Deutschland gibt es Aasfresser, etwa Rabenvögel, aber auch Möwen und Füchse. „Im Grunde gibt es keine Tiere, die gar kein Aas fressen“, sagt der Fachmann. „Schließlich legt jedes Tier für sich selbst fest, wann Futter nicht mehr genießbar ist. In der Natur schreibt ja niemand ein Verfallsdatum aus.“
So fressen auch Großkatzen wie Löwen ebenso Aas wie es Hyänen und Kojoten tun. Dabei sind Löwen gar nicht so sehr als Aasfresser bekannt. Tatsächlich rümpfen Katzen zuerst die Nase, wenn Fleisch allmählich verwest. Ihre Mägen sind empfindlicher als etwa die von Hunden. Sie können Aas verwerten, das noch gammeliger ist. Die besten Aasfresser sind wohl Geier. Sie können selbst stark verweste Kadaver verdauen, um die andere Tiere einen großen Bogen machen würden.
Weil wir Menschen das ziemlich eklig finden, genießen die Geier bei uns nicht den besten Ruf. Wir benutzen das Wort Aasgeier sogar als Schimpfwort für eine raffgierige Person. Dabei sollten wir den Geiern und den anderen Aasfressern ruhig ein bisschen mehr Respekt zollen. Denn sie spielen in der Natur eine sehr wichtige Rolle. „Sie räumen im Tierreich auf und sorgen dafür, dass sich Krankheiten nicht so schnell ausbreiten“, erklärt Matthias Papies. „Denn ohne die Aasfresser würden in der Wildnis überall tote Tiere verwesen und sich giftige Bakterien ausbreiten.“
Gefährdete Vögel
Für unsere Umwelt haben Geier eine wichtige Aufgabe: Sie beseitigen tote Tiere. Seuchen können sich dadurch nicht so leicht verbreiten. Die Geier können Fleisch essen und verdauen, das bereits zu verwesen beginnt.
Die Greifvögel räumen in vielen Gegenden der Welt auf. Vogelforscher unterscheiden zwischen Altwelt-Geiern und Neuwelt-Geiern. Die Altwelt-Geier leben in Südeuropa, Asien und Afrika. Zu ihnen gehören etwa der Gänsegeier, der Mönchsgeier oder der Bartgeier. Neuwelt-Geier wie etwa der Kondor leben in Amerika.
In den letzten Jahren ist die Zahl der Geier in Afrika stark gesunken. Sie verlieren ihren Lebensraum oder werden gejagt. Immer wieder verenden sie auch, weil sie vergiftete Tiere wie etwa Füchse fressen. Naturschützer bemühen sich deshalb, die Geier in Afrika besser zu schützen.
Text und Foto: Philipp Brandstädter,
zunächst erschienen über dpa Nachrichten für Kinder, Februar 2023
Quellen:
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