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Covers, Samples, Interpolation: Die 80er sind zurück

In Film, Musik und Mode wird mit 40 Jahre alter Popkultur gespielt. Doch warum ist diese Zeit wieder so beliebt?

Als hätten wir eine Zeitreise gemacht. Im Fernsehen laufen alte Filme. In den Hitparaden werden Lieder gespielt, die schon die Eltern in ihrer Kindheit gehört haben. Viele Leute laufen in neonfarbenen und glänzenden Klamotten in Übergröße herum. So, wie es schon in den 1980er-Jahren Mode war.

Unsere aktuelle Kultur bezieht sich gerade viel auf Kultur von früher. Das kommt immer wieder vor. Man sagt dazu auch retro. Das ist eigentlich Latein und bedeutet so viel wie rückwärts gewandt. «Musik und Mode von früher ist besonders dann beliebt, wenn die Leute nicht ganz so hoffnungsfroh in die Zukunft blicken», sagt Derek von Krogh. Er ist der Direktor der Popakademie Baden-Württemberg.

Voll retro

Schon in den 70er-Jahren haben sich junge Leute über Entwicklungen in der Politik und der Gesellschaft geärgert. Auch damals gab es Krisen wegen der Energieversorgung und der Umwelt, ähnlich wie heute. Also sehnten sich die Leute zurück zu den vermeintlich guten alten Zeiten. Voll retro.

Das geschieht gerade wieder. Die Serie «Stranger Things» ist zum Beispiel total beliebt. Weil sie in den 80er-Jahren spielt, haben Jugendliche die Klamotten und die Musik von damals neu entdeckt. So schaffen es die Lieder, die in der Serie gespielt wurden, noch einmal in die Hitparaden. Selbst die Band von «Stranger Things»-Schauspieler Joe Keery ist durch die Serie in vielen Ländern in den Charts.

Dort sind auch gleich mehrere Songs der 80er-Band Police vertreten. Die sind gerade in den sozialen Netzwerken beliebt. «Die Jugend ist zurzeit viel von ihren Eltern beeinflusst, die die Songs ihrer eigenen Jugend vorspielen», erklärt Derek von Krogh. «Außerdem wurde in dieser Zeit viel in der Musik ausprobiert.» Zum Beispiel nutzten Künstlerinnen und Künstler vermehrt elektronische Musikinstrumente. «So entstanden in den 80ern musikalische Bausteine, die immer wieder aufgegriffen werden.»

Nicht nur 80’s

Die Liebe zur alten Musik betrifft aber nicht nur die 80er. Auch die Gruppe The Killers ist mit ihrem Hit aus dem Jahr 2005 zurück. Noch weiter oben auf der Liste steht die schwedische Popsängerin Zara Larsson mit einem Song, den sie vor zehn Jahren veröffentlicht hat.

Viele Musikerinnen und Musiker von heute nutzen für ihre neuen Lieder auch gern Musik von früher. Mal verwenden sie Elemente der alten Aufnahmen. Mal singen sie einen bekannten Song komplett nach. In beiden Fällen muss man sich die Erlaubnis der Urheber einholen. Damit ist der Erfolg des Liedes aber längst nicht garantiert. «Um aus einem alten Song einen neuen Hit zu machen will, muss man schon wissen, wie man Musik komponiert», sagt Derek von Krogh. Nur dann gelingt ein neues, altes Kunstwerk.

Alles nur geklaut?

Die Melodie kenne ich doch irgendwoher! Bei vielen neuen Songs lohnt es sich, mal die Eltern zu fragen oder nachzulesen, wie neu diese Musik tatsächlich ist. Denn Künstlerinnen und Künstler bedienen sich oft an älteren Liedern. Hier drei Möglichkeiten:

Cover: «Bei einem Coversong wird eine komplette Komposition neu interpretiert», sagt Experte Derek von Krogh. «Das kann man stilgerecht oder nicht stilgerecht tun.» Das heißt: Ein altes Lied wird entweder in derselben Stimmung vorgetragen oder in einer ganz anderen Musikrichtung genutzt. Gerade ist ein KI-generiertes Cover mit einem Song von Stromae in den Charts.

Sample: «Ein Sample bezeichnet ein Stück aus einer alten Aufnahme», erklärt der Fachmann. «Man kann Melodien oder ein paar Worte heraus fischen und neu verwenden.» Weil das mit Computern immer leichter geht, gibt es auch immer mehr Samples. So hat Dua Lipa in «Love Again» bald 100 Jahre alte Trompetentöne in ihrem Song. Rihanna nutzt in «Wild Thoughts» die Musik des berühmten Gitarristen Santana.

Interpolation: Wenn eine Melodie oder ein Stück Songtext nachgespielt wird, spricht man von einer Interpolation. Der Unterschied zum Sample ist, dass der Ausschnitt selbst neu aufgenommen wird. So singt Rapper Eminem in «Houdini» die Melodie des Songs «Abracadabra» der Steve Miller Band nach.

Text und Foto: Philipp Brandstädter,
zunächst erschienen über dpa Nachrichten für Kinder, Februar 2026

Quellen:

Popakademie

Charts

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