Das Leuchten am Himmel: Kleine Sternenkunde

In der Nacht den Sternenhimmel zu beobachten, das ist ein tolles Erlebnis. Ganz besonders, wenn man sich ein bisschen mit den funkelnden Lichtpunkten da draußen auskennt.

Wenn es draußen dunkel wird und keine Wolke den Himmel verdeckt, dann kann man sie gut sehen: die Sterne. Unendlich viele leuchtende Punkte funkeln da über uns. Doch nur die einen kleinen Teil davon können wir mit bloßen Augen sehen. Die meisten werden auch nachts von den Lichtern auf der Erde verschluckt. Von Straßenlaternen und so weiter. Andere Sterne wiederum sind einfach zu weit weg, um sie mit bloßem Auge sehen zu können. Zum Glück gibt es ja einen Ort, an dem man alles über Sterne erfahren kann – auch bei bewölktem Himmel und sogar tagsüber. Die Rede ist vom Planetarium.

Ein Planetarium ist ein künstlicher Sternenhimmel. Solche Himmel gibt es in vielen Städten. Dort kann man sich zeigen lassen, was dort draußen alles im Weltall los ist. Monika Staesche weiß gut über die Sterne Bescheid. Sie ist Leiterin eines Planetariums in der Stadt Berlin. „In einer so hell erleuchteten Stadt wie Berlin können wir nachts nur ein paar Dutzend Sterne erkennen“, sagt sie. „An dunkleren Orten können Tausende Sterne den Himmel erleuchten.“ Aber ganz besonders gut zu sehen sind die Sterne im Planetarium. Dort werden sie in einem großen Raum von einem Projektor an die Wand gestrahlt. In etwa so wie in einem Kinosaal.

Wo ist der Polarstern?

Doch so ein Kunst-Himmel zeigt nicht einfach nur viele Sterne. Man kann sie sich dort auch vergrößern und genauer betrachten. „Die meisten winzigen Punkte, die dort oben leuchten, sind gigantisch große Sonnen“, erklärt Monika Staesche. Mal größer, mal kleiner als die Sonne, um die unsere Erde kreist. Nur sind die Sonnen eben alle so weit weg, dass wir sie nur noch als kleine Lichtpunkte erkennen. Ein paar Punkte sind keine Sonnen. Es sind Planeten, so wie die Erde ein Planet ist. Und so wie die Erde umkreisen die anderen Planeten unsere Sonne. Wir können sie am Nachthimmel sehen, weil sie von der Sonne angestrahlt werden.

Im Gegensatz zu den Planeten bewegen sich die Sterne so langsam, dass wir es gar nicht bemerken. Sie verändern ihre Position zueinander kaum. Deshalb orientieren sich die Menschen schon seit Ewigkeiten in der Nacht an ihnen. Wer zum Beispiel weiß, welcher von den Sternen der Polarstern ist, der wird immer wissen, in welche Richtung er gerade guckt. „Der Polarstern liegt immer im Norden“, erklärt Monika Staesche. Und wie man den unter den vielen Sternen findet, weiß sie natürlich auch: „Er ist ein Stern im Kleinen Wagen.“

Was denn für ein Wagen? Natürlich hängt da oben kein echter Wagen am Himmel. Der kleine Wagen ist eines von vielen Sternbildern. Die haben sich die Menschen ausgedacht. Sie entstehen, wenn man sich vorstellt, man würde eine Gruppe Sterne mit Linien verbinden. Das funktioniert in etwa so wie das Spiel „Malen nach Zahlen“. Auch da werden einzelne Punkte durch Linien miteinander verbunden, sodass ein Bild dabei heraus kommt. Die meisten Leute kennen vor allem die Sternbilder Großer Wagen und Kleiner Wagen. Die sind oft am besten zu erkennen und sehen so aus wie Schubkarren ohne Räder. Viele kennen auch die Sternbilder Orion oder Cassiopeia. Doch es gibt noch viel mehr von ihnen.

88 Bilder

„88 Sternbilder hat man irgendwann einmal festgelegt“, sagt Monika Staesche. Allerdings sind nicht alle Sternbilder von jedem Ort der Erde aus zu sehen. Manche Bilder können nur im Süden der Erdkugel beobachtet werden, manche nur im Norden. „Alle Sterne, die man mit bloßem Auge erkennen kann, sind auch Teil eines Sternbilds. Sie gehören alle zu unserer Galaxie.“ Eine Galaxie ist eine Ansammlung von Sonnen und Planeten. Die Galaxie, in der wir uns mit unserer Sonne befinden, heißt Milchstraße. „Doch es gibt noch unendlich viel mehr Galaxien im Universum“, sagt Monika Staesche.

Wie viele Galaxien das sind und wie viele Sterne zu ihnen zählen, kann man kaum zählen. „Es gibt wahrscheinlich mehr Sterne im Weltall als Sandkörner an allen Stränden der Erde“, sagt Monika Staesche. Für uns Menschen ist es schon unvorstellbar, wie viele Sterne allein zur Milchstraße gehören. Wenn man sich dann auch noch vorstellen will, dass all diese Lichtpunkte eigentlich riesige Sonnen sind… Und dass um etliche Sterne auch noch Planeten kreisen, so wie wir uns um die Sonne drehen… Da kommt man sich in diesem unendlich riesigen Weltall plötzlich ganz winzig vor.

Kleine Planetenkunde

Um unsere Sonne kreisen mehrere Himmelskörper: die Planeten. Das Wort Planet kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „umherirren“ oder „wandern“. Acht größere Planeten und ein paar kleinere Himmelskörper wandern um unsere Sonne herum. Die Planeten, die am nächsten die Sonne umkreisen, sind Merkur, Venus, unsere Erde und der Mars. Sie besitzen alle festen Boden, auf dem man herum spazieren könnte.

Am Rand unseres Sonnen-Systems kreisen die sehr viel größeren Planeten Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun. Auf diese Planeten könnten wir keinen Fuß setzen. Sie bestehen nämlich aus Gas. Werden die Planeten direkt von der Sonne angestrahlt, dann können wir sie von der Erde aus beobachten. Manche sind mit bloßem Auge zu erkennen. Zum Beispiel die helle Venus oder der rötlich leuchtende Mars. Für andere braucht man schon ein gutes Fernrohr.

Und welcher Planet umkreist nun am nächsten die Sonne? Und welcher ist am weitesten entfernt? Das kann man sich leicht mit einem Merksatz einprägen. Der lautet: „Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren Nachthimmel.“ Die Anfangsbuchstaben dieser acht Worte stehen dabei jeweils für die acht größten Planeten unseres Sonnen-Systems: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun. Das ist die Reihenfolge der Himmelskörper, von unserer Sonne ausgehend. Merkur ist der Sonne am nächsten, Neptun am weitesten entfernt.

Das steht in den Sternen

Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? Warum sind wir Menschen so, wie wir sind? Überall grübeln Menschen über ihr Leben nach. Viele haben die Antworten in den Sternen gesucht. Der Himmel war für die Leute ein riesiges Geschichten-Buch. Darin entdeckten sie ganz unterschiedliche Geschichten. So sind die Sternbilder entstanden. „Überall auf der Welt entstanden verschiedene Sternbilder“, erklärt Monika Staesche. „Auch da, wo die Leute eigentlich dieselben Sterne am Himmel sahen.“

Besonders einfallsreich waren die alten Griechen vor mehreren tausend Jahren. Sie dachten sich jede Menge Götter aus. Die sollten für alle möglichen Ereignisse auf der Erde verantwortlich sein. Und manche Geschichten fand man in den Sternbildern am Himmel wieder. Wie zum Beispiel die Geschichte über das Sternbild des Großen Bären und des Kleinen Bären.

Der Sage nach verliebte sich der Göttervater Zeus in eine Frau namens Kallisto. Kallisto wurde schwanger und bekam einen Sohn mit dem Namen Arkas. Die Gattin von Zeus sah das gar nicht gern. Aus Rache verzauberte sie Kallisto in eine große Bärin und schickte sie in die Wälder. Irgendwann begegnete Arkas seiner verzauberten Mutter bei einer Bären-Jagd. Doch bevor Arkas seine eigene Mutter erlegen konnte, griff Zeus ein. Er verzauberte auch Arkas in einen kleinen Bären. Dann packte er Kallisto und ihren Sohn an ihren Bären-Schwanzen und schleuderte sie in den Himmel. So sollen die beiden Sternbilder entstanden sein. Die alten Griechen hatten eine blühende Phantasie.

Text und Foto: Philipp Brandstädter,
zunächst erschienen über dpa Nachrichten für Kinder, August 2014

Quellen:

Planetenkunde

Astronomie

Stellarium

Andere Geschichten aus dem Alltag:

La Sagrada Familia

140 Jahre Auto

ChatGPT in der Schule

Alles aus Milch

Unsere Maßeinheiten

Faszination Donau: Vom Schwarzwald bis ins Schwarze Meer

Synthesizer: Künstliche Klänge aus der Kiste

Indoor Skydiving, Bodyflying: Der Traum vom Fliegen

Paläokünstler Joschua Knüppe malt die Urzeit

Weitere Geschichten

Mit dem Dunklen leben

365 Meter Zukunft: Das höchste Windrad der Welt

Das Gleichgewicht macht uns schwindelig

In die Magnet-Röhre geschaut