Tauben

Die Taube auf dem Dach: Es gurrt in der Stadt

Erst waren Tauben bei den Menschen beliebt. Als Zeichen des Friedens, als geflügelte Postboten, ja, sogar als Speise. Dann haben sie sich in vielen Städten stark vermehrt und wurden lästig. Heutzutage haben die Tauben oftmals einen schlechten Ruf. So einen triftigen Grund gibt es dafür allerdings nicht.

Sie flattern durch Bahnhöfe. Gurrend picken sie auf Marktplätzen Brotkrumen auf. Und viele Kinder scheuchen sie schrecklich gern durch die Einkaufspassagen. Tauben gehören fest zu unserem Stadtbild. Doch ihr Ruf ist nicht der beste. Sie gelten oft als schmutzig. Manche Leute glauben, die Vögeln übertragen gefährliche Krankheiten. Ratten der Lüfte werden sie manchmal sogar genannt. Doch ist da etwas dran?

Früher waren Tauben sehr beliebt. Schon die alten Ägypter und Römer sollen die Vögel gezüchtet haben. Und zwar um sie zu braten und zu verspeisen. Bauern nutzten Taubenkot als Dünger. Außerdem beobachteten die Leute früh, dass sich Tauben gut zurecht finden können. So wurden Tauben zu Postboten der Lüfte. Mit einer kleinen Notiz am Körper flogen Brieftauben zielsicher nach Hause und brachten Neuigkeiten aus der Ferne mit.

An Klippen brüten

Dann eroberten Tauben die Städte für sich. „Tauben nisten eigentlich an Klippen und Höhlen“, erklärt die Tierärztin Almut Malone. „Doch in den Städten fühlen sie sich auch an Hauswänden, Brücken und anderen Bauwerken wohl.“ Auch Nahrung gibt es in der Nähe von Menschen reichlich. Also vermehrten sich die Tauben zunehmend – und wurden dem Menschen an manchen Orten lästig.

Manchmal werden Tauben gefangen oder vergiftet. Manchmal nimmt man ihnen die Nistplätze weg. Die Städte wollen damit die Zahl ihrer Tauben verringern. Es heißt nämlich, der Kot der Tauben würde die Städte verdrecken und sogar Gebäude und Denkmäler beschädigen. Doch Forscher haben herausgefunden, dass das nicht stimmt: Weder würden die Tauben viel Dreck machen, noch greife er Baustoffe wie Stein oder Holz an.

Häufig kann man beobachten, dass die Vögel kaputte Füße oder Flügel haben. Die Tauben können sich leicht verletzen, wenn sie im Müll nach Futter suchen. Davon werden die verwilderten Tauben häufig krank. Was aber nicht bedeutet, dass wir uns vor ihnen fürchten müssen. „Dass sich viele Menschen bei Tauben anstecken, stimmt nicht“, sagt die Fachfrau. „Sie sind für uns genauso ungefährlich oder gefährlich wie jedes andere Wirbeltier.“

Kranke Tiere päppeln

In den Großstädten haben Tauben heutzutage kein leichtes Leben. Ständig picken sie Essensreste und Abfälle von der Straße, die für die Tiere nicht gerade gesund sind. Almut Malone kümmert sich deshalb unter anderem um Stadttauben. In ihrem Garten hat sie einige Vogelkäfige, in denen sie junge und kranke Tauben aufpäppelt.

Die Tiere können Hilfe gebrauchen, findet die Fachfrau. «Die Tauben leben bei uns. Jetzt müssen wir nun einmal miteinander auskommen», sagt Almut Malone. So oder so würden sich die Vögel durch das Stadtleben schlagen. Vor ihnen Angst haben müssen wir jedenfalls nicht.

Friedlich miteinander

Die Taube hat sich bestens an den Menschen gewöhnt. Viele hundert Millionen Tauben sollen weltweit in den Städten leben. Manche Leute versuchen, die Vögel zu vertreiben. Etwa, indem sie ihre Sitz- und Nistplätze mit Nägeln versehen. Oder indem sie versuchen, sie nicht an Futter kommen zu lassen.

Viele Tierschützer halten diese Versuche für unsinnig. Sie finden vielmehr: Man sollte den Tauben schöne Nistplätze und gesundes Futter an Orten bieten, wo die Vögel in Ruhe leben können. Dann würden sie von ganz alleine dorthin ziehen, wo sie niemanden stören.

Zu gesundem Taubenfutter gehören zum Beispiel: saubere Körner, Wasser und Grit. Das sind kleine Steinchen, die dabei helfen, die Nahrung im Taubenbauch zu verdauen. Brot hingegen tut den Vögeln nicht gut. Das quellt nur im Magen der Tauben auf und verursacht Schmerzen.

Wo sind die Küken?

Hast du auch schon einmal ein Tauben-Baby gesehen? Ein ganz kleines? Nein? Wäre auch ungewöhnlich. Denn bevor Taubenküken überhaupt das Nest verlassen, wachsen sie sehr schnell zu der Größe einer erwachsenen Taube heran. Das liegt an der so genannten Kropfmilch.

Der Kropf ist bei Vögeln eine Vergrößerung der Speiseröhre am Hals. Er dient als Speicher für Nahrung. Da drin entsteht auch die Kropfmilch, mit der Tauben ihren Nachwuchs füttern. Natürlich handelt es sich dabei nicht wirklich um Milch. Schließlich sind Tauben Vögel und Vögel sind keine Säugetiere.

Die Kropfmilch heißt so, weil sie weiß ist und weil sich die Jungtiere davon ernähren. Sie besteht aus einem Mix vieler Stoffe, die die kleinen Tauben ganz schnell groß und stark werden lassen. Die Kropfmilch gibt es auch bei anderen Vögeln, etwa bei Flamingos und Kaiserpinguinen.

Text und Foto: Philipp Brandstädter,
zunächst erschienen über dpa Nachrichten für Kinder, Mai 2016

Quellen:

Nabu zu Tauben

Futter für Tauben

Taubenarten

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