Faultier

Faultiere sind ein bisschen laaangsam

Sie sehen ulkig aus und beeindrucken uns mit ihrem gemächlichen Lebensstil: die Faultiere. Lange Zeit hat man nur wenig über die Tiere gewusst. Doch inzwischen haben Forscher spannende Dinge über Faultiere herausgefunden. Ein Faultier berichtet.

Wenn ich wirklich wollen würde… Dann könnte ich jetzt meine laaangen Arme ausstrecken… Und dann nach einem Ast greifen… Und den mit meinen scharfen Krallen packen… Und mich dann von Ast zu Ast zu Ast durch die Baumwipfel hangeln. Wie ein richtiger Kletteraffe. Mache ich aber nicht. Ich bin nämlich kein Kletteraffe. Ich bin das Faultier Fabian. Und Hangeln und Klettern und vieles mehr ist mir eigentlich viiieeel zu anstrengend.

„Faultiere setzen sich nur in Bewegung, wenn sie meinen, sie müssen unbedingt“, sagt Heiner Klös vom Zoo Berlin. Er hat sich einen Besen geschnappt und klopft mit dem Stiel vorsichtig an meine Holzhütte. Die hängt ein paar Meter über dem Boden in meinem Baum. Da kann ich mich voll guuut verstecken. Und ich komme nur raus, wenn es wirklich sein muss. Zum Beispiel, wenn ich Hunger habe. Oder wenn ich dringend aufs Klo muss. Oder wenn ein Pfleger vom Zoo mit dem Gartenschlauch kommt. Ab und dann dusche ich nämlich ganz gern. Aber nicht heute. Probier‘ es doch einfach morgen noch einmal, Herr Klös.

Gemütlich abhängen

Wir Faultiere genießen nämlich das Leben. Gemütlich in einem Baum abhängen. Ab und an ein paar leckere Blätter kauen. Was will man mehr? Etwa hektisch durch die Straßen rennen? Schnell zur Arbeit, schnell nach Hause, schnell wieder weiter? Oooch nööö. Da bleibe ich lieber in meinem Baum. Ihr könnt prima hektisch sein. Ich kann prima schlafen. Bis zu 15 Stunden am Tag. Für mich gaaar kein Problem. Und vielleicht leben wir Faultiere ja so lange, weil wir nicht so viel Stress haben. Bis zu 30 Jahre alt können wir werden.

Die wuseligen Zoo-Besucher sind totaaal begeistert von mir, wenn sich mich sehen. Kaum gucke ich mal kurz aus meiner Hütte, schon drücken sie sich die Nasen an der Scheibe meines Geheges platt. Zugegeben: Ich sehe ja auch uuunheimlich putzig aus. Und ungewöhnlich noch dazu. Mit meinen laaangen Armen und meinem schööönen Fell. Wusstest du, dass ich meinen Scheitel auf dem Bauch trage? Der muss dort sein. Schließlich hänge ich ja die meiste Zeit über Kopf. Und wenn es regnet, sollen die Tropfen schließlich von meinen Haaren abtropfen. Und nicht in sie hinein.

Mein Fell ist oft grau oder braun. Und manchmal sogar gaaanz grüüün. Nämlich dann, wenn Algen auf meinem Fell wachsen. Die schmecken leeecker! Forscher vermuten: Die Algen dienen unter anderem zur Tarnung vor Feinden. Im grünen Baum würden sie grüne Faultiere nämlich viel schlechter sehen. Kann schon sein. Ich weiß nur: Wenn ich mich laaangsam genug bewege, dann kommen die Algen von ganz alleine.

So ein Faultier-Leben ist suuuper. Viel Schlaf, kein Stress. Vielleicht haben uns die Menschen ja deshalb ins Herz geschlossen. Weil wir so anders sind. Weil wir so lustig aussehen. Und weil wir euch zeigen, dass man das Leben auch ein bisschen gemütlicher angehen kann. Gääähn.

Text und Foto: Philipp Brandstädter,
zunächst erschienen über dpa Nachrichten für Kinder, Oktober 2017

Quellen:

Infos Faultier

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