Schneeleoparden gibt es nur noch wenige. Durch Wilderei und den Verlust ihres Lebensraums ist die Raubkatze vom Aussterben bedroht.
Kaum jemand bekommt ihn in der freien Wildbahn zu sehen. Er lebt zurückgezogen und hoch oben in den Bergen. Dort ist er meist allein unterwegs um zu jagen. Durch sein besonders gemustertes Fell ist er hervorragend in der felsigen Umgebung getarnt. Manche Leute nennen ihn darum auch den Geist der Berge. Wir kennen ihn als Schneeleopard.
„Schneeleoparden sind hervorragend an ein Leben im Hochgebirge angepasst“, erklärt Tolkunbek Asykulov. Der Mann kümmert sich um den Schutz der Raubkatzen im Land Kirgisistan. Das liegt in Zentralasien. Dort haben der Artenschützer und seine Kollegen schon einige Leoparden entdeckt.
Überleben in Gefahr
„Die Tiere sind sehr scheu und verstecken sich in den Klippen und Schluchten der Berge“, sagt Tolkunbek weiter. „Dort lauern die Schneeleoparden etwa auf Nagetiere oder Vögel.“ Auch ein größeres Huftier wie ein Schaf oder einen Steinbock erbeuten sie manchmal.
Heutzutage ist der Geist der Berge unsichtbarer denn je. Denn das Überleben der Schneeleoparden ist in Gefahr. „Sie verlieren ihren Lebensraum und den ihrer Beutetiere durch uns Menschen“, erklärt der Fachmann. Das geschieht etwa durch den Bau von Siedlungen und Straßen oder auch den Bergbau. „Außerdem werden sie immer noch von manchen Leuten gejagt.“
Zwar ist die Jagd auf Schneeleoparden schon seit 50 Jahren streng verboten. Trotzdem gibt es immer noch Wilderer, die es auf das Fell der schönen Großkatze abgesehen haben. Denn es gibt Menschen, die dafür sehr viel Geld bezahlen. Auch die Knochen, Zähne und Geschlechtsorgane der Tiere werden auf manchen Märkten verkauft. Experten vermuten, dass es nur noch zwischen 4000 die 6400 wild lebende Schneeleoparden auf der Welt gibt.
Gut angepasst
In den Hochgebirgen von Asien ist es eiskalt und die Luft ist arm an Sauerstoff. Doch Schneeleoparden sind gut an diese Verhältnisse angepasst. Ihr dichtes Fell schützt sie vor der Kälte. Außerdem haben die Großkatzen starke Lungen und eine große Nase. Die Nase wärmt die kalte Luft vor, bevor sie in die großen Lungenflügel gelangt.
Auffällig beim Schneeleoparden sind auch seine großen Pfoten und sein langer Schwanz. Die Pfoten mit den behaarten Sohlen verhindern, dass die Katze zu tief im Schnee einsinkt. Mit dem buschigen langen Schwanz kann sich der Schneeleopard zudecken. Sogar seine Nasenspitze schützt er damit vor der Kälte, wenn er schläft.
Gruppa Bars
Damit das endlich ein Ende hat, setzen sich Naturschützer in Kirgisistan für das Überleben der Schneeleoparden ein. Dort gibt es eine Einheit, die die Wilderer bekämpft: die Gruppa Bars. Bars heißt Schneeleopard auf Russisch, die Amtssprache in Kirgisistan. „Die Gruppa Bars suchen nach Fallen in den Bergen und kontrollieren die Leute dort“, sagt Tolkunbek. „Sie beschlagnahmen Waffen und Felle, wenn sie welche bei Wilderern finden.“
Auch einige lebende Schneeleoparden, die Wilderer gefangen haben, haben die Naturschützer schon gefunden. Sie haben die oft verletzten oder unterernährten Tiere verarztet und ihnen ein großes Gehege in ihrem Zentrum für Naturschutz gebaut. Dort erklären sie Besuchern, wie wichtig die Schneeleoparden und der Artenschutz im Allgemeinen ist. Vielleicht wird es auf diese Weise bald wieder mehr Schneeleoparden in den Hochgebirgen geben.
Schneeleopard im Flugzeug
Bei uns in Deutschland kann man Schneeleoparden nur in manchen Zoos bestaunen. Wie zum Beispiel im Neunkircher Zoo. Dort wohnt unter anderem Luisa. Die Schneeleopardin ist die Enkeltochter eines Schneeleoparden mit einer besonderen Geschichte.
Dieser Leopard wurde bei Wilderern entdeckt und beschlagnahmt. Das Jungtier war verletzt und musste verarztet werden. Doch in Kirgisistan fand sich kein Tierarzt, der der seltenen Großkatze helfen konnte. Also wurde das Tier zu Fachleuten nach Hannover gebracht. Das ist eine Stadt im Bundesland Niedersachsen.
Der Schneeleopard wurde mit dem Flugzeug nach Deutschland gebracht. Dabei saß er in einem ganz gewöhnlichen Passagierflugzeug. Helfer hatten dem Tier eine Transportkiste gebaut und ihn in der letzten Sitzreihe der Maschine verstaut. In Deutschland hat sich die Katze dann gut erholt – und Nachwuchs zur Welt gebracht.
Text und Foto: Philipp Brandstädter,
zunächst erschienen über dpa Nachrichten für Kinder, September 2022
Quellen:
NABU zum Schutz des Schneeleoparden
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