Gemeinsam die Großen ärgern: Eine Libera beim Volleyball

Ein Ball nach dem anderen fliegt Paula um die Ohren. Mit aller Wucht schmettern die Gegner ihre Attacken übers Netz. Würde sich Paula vor den Bällen wegducken, dann wäre sie fehl am Platz. Stattdessen versucht sie die Bälle zu parieren – und mit ihren Fingerspitzen kontrolliert ihren Kolleginnen zuzuspielen.

Paula spielt Volleyball. In ihrer Mannschaft ist sie die kleinste. Doch wie alle anderen in ihrem Verein will auch sie bald groß rauskommen. Deshalb wird die 17-Jährige von mehreren Betreuern in einer großen Sporthalle in Berlin trainiert. Zweimal täglich.

Etwa so, wie es Paula im Verein geht, geht es allen Mannschaften des Vereins in der Volleyball-Liga. Das heißt: Die Kleinen lassen sich von den Großen ständig die Bälle um die Ohren pfeffern. Die jungen Leute spielen nämlich alle beim VC Olympia. „Wir sind ein Verein, der talentierte Nachwuchs-Spieler aus dem ganzen Land aussucht und fördert“, erklärt Saskia Kasten vom VCO. „Gemeinsam treten unsere Teams gegen die Profi-Clubs in den Volleyball-Ligen an.“

Nicht nervös werden

Und das ist ziemlich ungewöhnlich. Normalerweise verteilt sich der Nachwuchs auf die Vereine, anstatt in einem Nachwuchs-Verein zu spielen. In der Volleyball-Liga läuft das durch den VCO anders. Als ob Deutschlands beste Jugend-Kicker gemeinsam in der Fußball-Bundesliga gegen den FC Bayern und die anderen Clubs antreten würden.

Doch wie schlagen sich die jungen Wilden in der Liga? „Unsere Spieler trainieren genauso viel wie die echten Profis“, erklärt Saskia Kasten. Aber um wirklich mithalten zu können, fehlt die jahrelange Erfahrung. „Volleyball ist ein Fehlersport. Wer nicht konzentriert bleibt oder nervös wird, wenn mal ein Ball daneben geht, verliert.“

Allerdings werden die jungen Talente immer besser, findet die Fachfrau. Im vergangenen Jahr konnte der VCO kein Spiel in der 1. Liga gewinnen. Die gegnerischen Mannschaften mussten nicht einmal ihre besten Spieler auf den Platz schicken. „Das können sich die anderen längst nicht mehr leisten“, sagt Saskia Kasten. „Wir luchsen den Großen immer wieder einen Satz ab.“ Ein Spiel konnten die Jungen sogar ganz für sich entscheiden.

Oder eben Kuchen

Ganz klar: Für Paula und die anderen jungen Männer und Frauen des VCO ist das kein leichtes Spiel. So hart zu trainieren und trotzdem so oft zu verlieren ist fies. Trotzdem ist es für die meisten eine Riesensache, beim VCO zu spielen und wichtige Erfahrung zu sammeln. Denn neben den Großen in anderen Vereinen würden sie wahrscheinlich nur auf der Auswechsel-Bank sitzen.

„So ist es unser Ziel, die Großen ein bisschen zu ärgern“, erklärt Saskia Kasten schmunzelnd. Die jungen Spieler bejubeln gewonnene Punkte. Für einen besonders gelungen Spielzug spendieren ihre Trainer manchmal einen Kuchen. Und in ein paar Jahren gehören einige Talente nach ihrer Ausbildung beim VCO zu den ganz Großen. Vielleicht ist Paula ja eine von ihnen.

Alles für den Sport

Bei Paula Morgenroth dreht sich so ziemlich alles um ihren Lieblingssport: den Volleyball. Deshalb verbringt sie ihre Zeit sozusagen rund um die Uhr für und mit dem VC Olympia in der Stadt Berlin. Das ist ein Verein, der junge Volleyballer fördert.

Für Paula sieht ein gewöhnlicher Tag in etwa so aus: Um 5 Uhr klingelt der Wecker. Denn schon um 7 Uhr 30 beginnt der Tag mit dem ersten Volleyball-Training. Danach ist bis etwa 16 Uhr Unterricht angesagt. Und zwar direkt an der Sporthalle. Denn zum VC Olympia gehört ein Internat. Dort wohnen und lernen viele der Nachwuchs-Sportler. Nach dem Mittag in der Schule geht es weiter zum zweiten Training.

Um etwa 19 Uhr macht Paula dann ihre Hausaufgaben für die Schule. Und dann kommen noch ein paar Hausaufgaben von ihrem Trainer dazu. Zum Beispiel Taktiken studieren. Oder Volleyball-Spiele auf Video angucken. Und am Wochenende stehen dann die Liga-Spiele des Vereins auf dem Programm.

Viel Freizeit bleibt da nun wirklich nicht. Trotzdem bleibt Paula am Ball. „Ich liebe den Sport“, sagt sie. „Und ich arbeite für das, was ich noch nicht geschafft habe.“ Darum will Paula zum Beispiel einen Platz unter den besten Volleyball-Spielern des Landes. Gerade ist die 17-Jährige zum ersten Mal in die Jugend-Nationalmannschaft der deutschen Volleyballerinnen eingeladen worden.

Text und Foto: Philipp Brandstädter,
zunächst erschienen über dpa Nachrichten für Kinder, April 2016

Quellen:

VCO

Turniere

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