Giraffen sind ungewöhnliche Tiere. Dank ihrer langen Hälse und Beine brechen sie viele Rekorde. In einem Tierpark kann man ihnen ganz nahe kommen.
Maude streckt ihren langen Hals über das Geländer und streckt ihre Zunge raus. Sie will sich das grüne Salatblatt angeln, das eine Zoobesucherin in der Hand hält. Katharina wartet noch etwas. Sie hat es auf das Knäckebrot abgesehen, das noch im Futtereimer liegt. Maude und Katharina sind zwei Giraffen im Tierpark Berlin. Dort können Besucher den Tieren ganz nahe kommen.
Für gewöhnlich halten Zootiere und Zoopublikum Abstand voneinander. Gräben, Glas oder Gitter trennen Mensch und Tier meistens. Doch bei den friedlichen Giraffen kann man mal eine Ausnahme machen: Während Revierleiterin Claudia Walther den Zuschauern spannende Dinge über das Leben der Giraffen erklärt, dürfen ein paar Kinder und Erwachsene die Tiere füttern. Dazu stehen sie auf einem Steg, sodass die Leute auf Augenhöhe mit den eleganten Riesen sind.
Sechs Meter hoch
«Die Giraffe ist das höchste Tier der Erde», erklärt Claudia Walther. Giraffenbullen können bis zu sechs Meter hoch werden. «Durch ihre Größe konkurrieren die Tiere mit kaum einem anderen Tier um ihre Nahrung».
Vom Giraffen-Steg im Tierpark können die Besucher die Giraffen-Köpfe bestaunen, die sonst nur von ein paar Metern weiter unten sehen kann. Dort sehen sie auch die großen Augen der Tiere. «Mit ihren großen Augen können Giraffen aus der Höhe enorm weit schauen», sagt die Tierpflegerin. Aus bis zu zwei Kilometern Entfernung sollen die Säugetiere ihre Feinde erkennen können. Wer so große Augen hat, braucht auch lange Wimpern. Sie schützen die Sehorgane.
Schnelle Sprinter
Giraffen sind Pflanzenfresser. In der Savanne Afrikas ernähren sie sich hauptsächlich von Akazien. Sie recken ihre langen Hälse bis hinauf zu den saftigen Blättern und Zweigen in den Baumkronen. Manchmal fressen sie auch Blätter, Früchte und Blüten anderer Bäume und Sträucher. Giraffen futtern und wiederkäuen fast den ganzen Tag über. Dafür trinken sie kaum. Sie können mehrere Wochen ohne Wasser auskommen. Die nötige Flüssigkeit ziehen sie vor allem aus ihrer Nahrung.
Die langen Beine lassen die Giraffen auch richtig schnell laufen. Über 50 Kilometer pro Stunde können sie rennen. Das wäre schneller als ein Auto im Ort fahren darf. Selbst die Jungtiere sind schon so schnell und können vor etwa Löwen Reißaus nehmen. Zwar sind die Raubkatzen ähnlich schnell, aber nur auf kurze Strecken. Eine schnelle Giraffe, die so gut sehen kann, ist also alles andere als eine leichte Beute.
Laaange blaue Zunge
Für ihre Lieblingsspeise haben sich Giraffen gut angepasst. Denn die Zweige und Blätter der Akazien, die sie so gern fressen, sind voller spitzer Dornen. Also brauchen die Tiere sowohl dickhäutige Lippen als auch eine kräftige Zunge, die sich an den Dornen nicht verletzt.
Die Zunge einer Giraffe kann fast einen halben Meter lang werden. Mit der können sich die Tiere auch die Augen reiben. Aber eine Giraffen-Zunge ist nicht nur lang. Sie ist auch noch blau. Die Färbung soll wohl vor der Sonne schützen. Ein Sonnenbrand auf der Zunge – das wäre ja auch echt unangenehm.
Text und Foto: Philipp Brandstädter,
zunächst erschienen über dpa Nachrichten für Kinder, November 2024
Quellen:
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