Pinguine sind tierisch außergewöhnliche und ganz schön komische Vögel. Sie können nicht fliegen, aber dafür umso besser schwimmen. Und manche von ihnen machen es sich auch noch bei arktischer Kälte gemütlich.
Fütterungszeit! Hinter der riesigen Glasscheibe können die vergnügten Zoo-Besucher eine Gruppe Pinguine zu sehen. Königspinguine, um genau zu sein. Die watscheln im aufrechten Gang Tierpflegerin Elisabeth Jacob hinterher. Sie hat einen Eimer mit Fischen dabei. Ein paar Fische wandern direkt aus der Hand von Frau Jacob in die hungrigen Schnäbel der Vögel. Den Rest verteilt die Pflegerin im Wasserbecken. Sofort springen ein paar Pinguine der leckeren Mahlzeit hinterher. Dort können die Besucher etwas Tolles beobachten: Die Pinguine können ja doch fliegen! Also, irgendwie.
Na, klar: Pinguine flattern nicht wie andere Vögel durch die Luft. Ihre Flügel sind zu klein, um sie richtig fliegen zu lassen. Doch wenn die Tiere tauchen gehen, dann ähneln ihre Bewegungen den Flugbewegungen vieler Vögel. Die Pinguine schlagen mit ihren kleinen Flügeln auf und ab und flitzen so mit tierischem Tempo durchs Wasser.
Pinguine sind tolle Schwimmer. Die Tiere haben das Wasser zu ihrem Lebensraum gemacht und sich gut angepasst. „Ihre Körperform lässt sie besonders gut durchs Wasser gleiten“, erklärt Heiner Klös. Er ist der Kurator im Berliner Zoo. „Mit ihren Augen können die Pinguine auch auf weite Entfernung alles unter Wasser erkennen. Und ihr dichtes Gefieder hält das kalte Wasser so gut ab wie ein Tauchanzug.“
Trocken und warm
Dieser schwarz-weiße Anzug hält nicht nur schön trocken. Er hält auch schön warm. Deshalb fühlen sich Pinguin-Arten wie der Kaiser-Pinguin auch in der Antarktis wohl. Am Südpol herrschen manchmal bitterkalte 40 Grad minus! Trotzdem verwandeln sich die Tiere dort nicht allesamt in Eiszapfen.
Ist es ganz besonders kalt, dann wird gekuschelt! Kaiser-Pinguine etwa leben in so genannten Kolonien zusammen und stellen sich dicht an dicht nebeneinander. So halten sie sich gegenseitig warm. Die Körperwärme ist besonders wichtig für die Jungtiere. Die Küken brauchen viel Energie, um groß zu werden. Ihnen fehlt auch noch das dichte Gefieder. „Deshalb müssen bei den Pinguinen beide Eltern ihre Küken ständig wärmen“, erklärt Heiner Klös. „Ein Elternteil bekuschelt das Kleine, während das andere Futter sucht.“
Ordentlicher Bauch
Und das Kuscheln geht bei Königs- und Kaiser-Pinguinen etwa so: Sie stellen die Pinguin-Babys auf ihre eigenen Füße. Dann stülpen sie ihre Bauchfalte über ihr Küken. So ist es gut vor kaltem Wind geschützt. „Bei den Königs-Pinguinen ist ein ordentlicher Bauch sehr nützlich“, sagt Herr Klös schmunzelnd.
Mit ihren Rufen und ihren Bewegungen verständigen sich die Pinguine in ihren Kolonien. Manchmal jagen sie sogar gemeinsam. Bei ihren tiefen Tauchgängen erbeuten Pinguine alle möglichen Sorten Fisch. Aber auch Krebse und Tintenfische in der Tiefe des Meeres lassen sich die Vögel schmecken.
Bei den Königs-Pinguine im Berliner Zoo gab es früher Heringe. Zurzeit finden sie aber Sprotten besonders lecker. Die Fische werden von den Pflegern mit Krill gefüllt. Das sind kleine Krebstiere. Von den gefüllten Sprotten lassen die schwarz-weißen Frack-Träger im Zoo kaum etwas übrig.
Von wegen immer Eis und Schnee
Die Pinguine stehen dicht an dicht gedrängt in ihren schwarz-weißen Anzügen auf eine Eisscholle. Ein heftiger Schneesturm fegt um ihre Schnäbel. So werden Pinguine oft im Fernsehen gezeigt. Dabei leben nur der Kaiserpinguin und der Adelie-Pinguin vorwiegend in bibbernder Kälte.
Die anderen 16 bekannten Pinguin-Arten leben in wärmeren Gefilden. Darum können auch die Zoos in Deutschland Pinguine halten. Sie brauchen kein extra frostiges Kühlhaus. „Die Pinguine sind auf der Südhalbkugel unserer Erde verteilt“, erklärt der Pinguin-Forscher Klemens Pütz. „So lebt der Brillenpinguin unter anderem in Südafrika. Und der Galapagos-Pinguin sogar am heißen Äquator.“ Nur im Norden sind die bemerkenswerten Vögel nicht anzutreffen. Deshalb endet auch kein Pinguin als Eisbär-Futter. Eisbären wohnen nämlich am Nordpol.
Eher zu warm als zu kalt
Das dichte Gefieder der Pinguine schützt die Tiere vor der Kälte. „Sie haben Federn mit einem Daunenanteil und einem Strukturanteil“, erklärt Pinguin-Forscher Klemens Pütz. „Die Daunen halten eine wärmende Luftschicht fest. Der Strukturanteil lässt kein Wasser durch.“ Kleine Häkchen an jeder Feder verknüpfen das Gefieder zu dem dichten Pinguin-Anzug. Und den fetten die Wasservögel darüber hinaus regelmäßig mit einer öligen Flüssigkeit ein. An der perlen Wassertropfen einfach ab.
Dank ihres Gefieders müssen die Pinguine also nicht frieren. Vielmehr stellt die Kälte kein Problem dar, sondern die Hitze. Denn unter dem schwarz-weißen Anzug kann es auch mal ein bisschen zu warm werden. „Deshalb hat etwa der Brillen-Pinguin Stellen im Gesicht, die nicht so stark mit Federn bewachsen sind“, weiß Klemens Pütz. „Sowohl dort als auch über ihre Füße und Flügel können die Vögel Wärme abgeben.“ Und wenn den Pinguinen dann immer noch zu warm ist, dann hecheln sie. So wie es auch Hunde machen.
Unter Wasser im Energiespar-Modus
„Pinguine können sehr weite Strecken schwimmen“, berichtet Klemens Pütz. „Viele Arten sind Zugvögel. Sie legen Tausende Kilometer zurück.“ Dabei bleiben sie aber stets in kalten Gewässern. Denn die sind besonders reich an Nährstoffen. Und wo viele Nährstoffe sind, da sind viele Fische. Fette Beute für die Pinguine.
Im Wasser sind die Pinguine hervorragende Jäger. Ihre Schnäbel haben scharfe Kanten und manchmal vorne einen spitzen Haken. Damit können die Pinguine zielsicher zuschnappen. Außerdem können sie mehrere Minuten die Luft anhalten und sehr tief tauchen. „Beim Tauchen fallen die Pinguine in eine Art Winterruhe“, weiß Herr Pütz. „Ihr Herz schlägt langsamer und sie brauchen weniger Luft.“
Text und Foto: Philipp Brandstädter,
zunächst erschienen über dpa Nachrichten für Kinder, Oktober 2016
Quellen:
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