Wie Vögel fliegen können auch Menschen, ganz ohne Flügel oder andere Hilfsmittel. Dazu muss man sich in einem Windkanal vom Luftstrom tragen lassen.
Catrina tanzt im Wind. Sie breitet die Arme aus, und lässt sich durch die Luft tragen. Dann dreht sie sich schnell um die eigene Achse und fliegt einen Meter steil nach oben. Dort schwebt sie aufrecht über den Köpfen der Zuschauer. Fast so, als hätte sie Superkräfte.
Catrina hat ein ungewöhnliches Hobby: Bodyflying. Der Sport wird auch Indoor Skydiving genannt. Das heißt: Catrina fliegt, und zwar ohne Flügel, Gleitschirm, Drachen oder sonstige Hilfsmittel. Sie schwebt in einem riesigen Windkanal. Das ist eine runde Kammer mit Glaswänden. Von unten strömt durch starke Ventilatoren ein kräftiger Luftstrom nach oben.
Figuren im Kanal
Der Wind ist so stark, dass ein Mensch davon getragen wird. Dafür muss der Luftstrom etwa doppelt so schnell sein wie ein Auto auf einer Landstraße fährt. Wer schon einmal während einer Autofahrt einen Finger aus dem Fenster gehalten hat, weiß, wie kräftig allein dieser Gegenwind schon weht.
«Mit 8 Jahren war ich zum ersten Mal im Kanal», erzählt Catrina. «Das war total aufregend, einfach abzuheben.» Zuerst lernte Catrina, stabil auf dem Bauch zu fliegen. «Da kommt es viel auf die Körperspannung und natürlich viel Training an», sagt die heute 13-Jährige.
Zusammen mit ihrem Trainer übt Catrina verschiedene Figuren im Windkanal: Mal liegt sie auf dem Rücken, mal sitzt sie in der Luft oder steht auf einem Bein wie ein Flamingo. Mal dreht sie dabei Kreise, mal hält sie ruhig ihre Position. Aber wie bewegt man sich überhaupt, wenn man gar keinen Boden unter den Füßen hat?
Meisterschaften
«Das hängt mit der richtigen Haltung zusammen», sagt Catrina. «Jede Bewegung meiner Arme, Schultern oder Beine verändert meine Lage.» Das ist ähnlich wie bei einem Flugzeug, dessen Tragflächen den Wind nutzen. Je nachdem, wie sich Catrina im Kanal bewegt, bietet ihr Körper mehr oder weniger Widerstand gegen den Luftstrom. So steuert sie nach oben, unten oder zur Seite.
Und was ist, wenn Catrina abstürzt? «Tief fallen kann ich nicht», erklärt das Mädchen. «Über den Ventilatoren ist ja ein stabiles Netz gespannt.» Außerdem hat Catrina auch eine spezielle Ausrüstung an. «Ich trage einen Anzug, Handschuhe und natürlich einen Helm mit Visier.» So kann den Bodyflyern nicht viel passieren, wenn sie beim Fliegen mal an die Glaswand oder das Sicherheitsnetz stoßen.
Inzwischen hat Catrina schon weit über 100 Flüge im Windkanal hinter sich. Besonders nervös vor dem Fliegen ist sie nach dem vielen Training nicht mehr. Aber das ändert sich jetzt!
Denn gerade bereitet sich Catrina auf einen großen Wettbewerb vor: Sie macht bei den Deutschen Meisterschaften im Bodyflying mit. «Ich habe zwar schon bei Turnieren mitgemacht und auch Titel gewonnen», sagt das Mädchen. «Aber was bei den Meisterschaften auf mich zukommt, weiß ich nicht genau.» Dann wird das Fliegen fast so aufregend wie beim allerersten Mal.
Text und Foto: Philipp Brandstädter,
zunächst erschienen über dpa Nachrichten für Kinder, Februar 2026
Quellen:
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