Schlaf ist wichtig, das gilt auch für Tiere. Dabei haben sich viele Arten ganz unterschiedliche Möglichkeiten, wie sie sich am besten ausruhen können.
Für Forscher ist es schwer herauszufinden, warum genau. Trotzdem ist für sie klar: Alle Tiere brauchen Schlaf. Von der Mücke bis zum Elefanten. In freier Natur kann schlafen heikel sein. Schließlich könnten sich Feinde unbemerkt nähern, während die Tiere schlummern. Trotzdem nehmen sie das Risiko in Kauf. Für die Wissenschaftler bedeutet das: Schlaf muss sein. Dabei schläft die Tierwelt auf ganz unterschiedliche Art und Weise.
Auch Tiere träumen
Wer einen Hund hat, kennt das gut: Gerade lag Bello noch friedlich auf seiner Decke. Dann plötzlich fängt er an zu zucken, zu knurren und zu schnappen. Wie wild rudert er mit seinen Beinen. Man könnte meinen, Hunde würden von wilden Jagden träumen. Und so ist das wohl auch. „Zwar hat noch kein Hund von seinen Träumen erzählt“, sagt Tierforscher Heribert Hofer schmunzelnd. „Doch Hunde schlafen nach einem ganz ähnlichen Muster wie wir Menschen.“
Hierzu haben Wissenschaftler die Ströme in den Gehirnen von Menschen und Tieren gemessen. Sie fanden heraus: Im Schlaf bewegen wir uns durch mehrere Stufen. Mal schlafen wir leichter, mal tiefer. Träume erleben wir während einer ganz bestimmten Stufe. Es ist dieselbe, in der sich Hunde im Schlaf wild bewegen. Auch Affen und Katzen können offenbar träumen. „Das Gehirn von Reptilien wie etwa von Schlangen funktioniert hingegen ganz anders“, sagt Heribert Hofer. Sie scheinen die uns bekannten Schlaf-Stufen nicht zu durchwandern.
Langer und kurzer Schlaf
Die meisten Menschen schlafen am Tag einmal. Von kleinen Nickerchen mal abgesehen erledigen wir das vor allem nachts. Viele Tiere hingegen schlafen in mehreren Etappen. „Schweine und Kaninchen etwa schlafen immer wieder über den Tag verteilt“, sagt der Forscher. Weidetiere wie zum Beispiel Kühe würden immer wieder für kurze Zeit dösen. Nur selten kann man sie deshalb beim Schlafen beobachten. Besonders viel Schlaf gönnen sich unter den Haustieren, na klar, die Katzen. Die sieht man immer und überall vor sich hin schlummern.
„Wie viel Schlaf sich ein Tier leisten kann, hängt davon ab, wie viel Kraft und Energie es verbraucht“, erklärt der Experte. Katzen sind dabei wahre Energiespar-Profis. Sie bewegen sich meist nur, wenn sie müssen. Eine Maus hingegen braucht viel Energie. Ihr Herz schlägt sehr schnell. Ständig muss sie sich vor Gefahren in Acht nehmen. Deshalb schlafen Mäuse wie die meisten Nagetiere auch nur sehr kurz.
Gemütlich und geschützt
Ein ruhiger, dunkler Raum, ein kuscheliges Bett. Wenn wir die Wahl haben, machen wir es uns zum Schlafen so gemütlich wie möglich. Auch viele Menschenaffen suchen sich einen gemütlichen und sicheren Ort, wo sie sich Nester zum schlafen bauen. „Paviane ziehen sich auf teils sehr steile Felsen und Bäume zurück“, sagt Heribert Hofer. „Sie schlagen dort ihren Schlafplatz auf, weil sie dort weniger gestört werden und geschützt sind.“
Pferde hingegen schlafen die meiste Zeit im Stehen. Schwer zu sagen, wie gemütlich das für sie ist. Als Fluchttiere sind es die Tiere gewohnt, schnell davon zu galoppieren, sobald Gefahr droht. Doch auch im Stehen finden Pferde Erholung. „Auch der Körperbau legt fest, wie und ob es sich Tiere zum Schlafen bequem machen“, sagt der Tierforscher. So legen sich Gnus und Zebras auf den Bauch – und die Giraffe biegt ihren langen Hals ab und legt ihren Kopf auf den Boden.
Halb wach, halb schlafend
Nie so ganz schlafen Säugetiere des Meere. Während Fische mit ihren Kiemen unter Wasser atmen können, halten etwa Wale unter Wasser die Luft an. Zum Atmen tauchen sie auf. Aber heißt das, dass Wale ertrinken, wenn sie das Auftauchen verschlafen?
Die meisten Wale wie Delfine zum Beispiel schlafen im so genannten Halb-Seiten-Schlaf. Das bedeutet: Sie schlafen abwechselnd mit nur einer Hirnhälfte. Die andere ist wach und kann ans Auftauchen und Atmen denken. Wenn ein Delfin schläft, schließt er übrigens auch nur ein Auge.
Winterschlaf ist kein richtiger Schlaf
Koalas gelten als uuunheimlich schläfrige Tiere. Sie verpennen bis zu 20 Stunden täglich. Länger schlafen nur die Winterschläfer, so scheint es. Die Igel zum Beispiel. Doch der regelmäßige, tägliche Schlaf ist nicht vergleichbar mit dem Winterschlaf. Die Igel heben sich den notwendigen Schlaf nicht für die kalte Jahreszeit auf. Sie ruhen vielmehr, um die Zeit zu überbrücken, in der es für sie zu wenig zu fressen gibt.
Wenn es kalt ist, schalten Igel in eine Art Energiespar-Programm um. Denn im Winter gibt es für die Tiere nicht mehr genug zu futtern. Also fressen sie sich bis zum Herbst einen ordentlichen Vorrat an. Dann ziehen sie sich in ein Versteck zurück und ruhen bis zum Frühjahr. Dabei senken sie ihre Körpertemperatur und ihren Herzschlag. So verbrauchen die Tiere weniger Energie.
Text und Foto: Philipp Brandstädter,
zunächst erschienen über dpa Nachrichten für Kinder, Dezember 2021
Quellen:
Weitere Geschichten über Tiere: