Ratte

Organisierte Kulturfolger: Die Ratten in der Stadt

Ein Schatten huscht am Ufer entlang. Hinter dem Müllcontainer raschelt es. Flinke Pfoten flitzen durch die Dämmerung. Auch wenn wir sie gar nicht so oft sehen: Wir sind von Ratten umgeben!

Ratten gehören zu den sogenannten Kulturfolgern. So nennt man Tiere, die dort leben, wo Menschen leben. Auch Tauben oder Krähen gehören dazu. Weltweit werden die Städte von Wanderratten bevölkert. Diese Nagetierart reiste schon vor Jahrhunderten mit den Menschen um die Welt. Denn wo Menschen leben, gibt es für die Ratten immer Nahrung und Verstecke.

«Ratten haben einen ausgezeichneten Geruchssinn», erklärt der Experte Jakob Noack. Auch aus weiter Ferne können sie noch Nahrungsquellen aufspüren. Gefressen werden vor allem die Essensreste, die wir wegwerfen. In der Dämmerung, wenn weniger auf den Straßen los ist, kommen die scheuen Tiere aus ihren Verstecken. Dann machen sich über die Abfälle her.

Tagsüber lassen sich Wanderratten kaum blicken. Sie verharren in Büschen, Kellern, zwischen Wänden, oder legen kleine Bauten in der Erde an. «Da die Nager gut klettern, schwimmen und tauchen können, bewegen sie sich auch gern in der Kanalisation», so der Fachmann. Sie dient den Nagern als schnelle und sichere Abkürzung zwischen den Fressplätzen. Dort unten sind die Ratten vor Katzen, Hunden oder Greifvögeln geschützt.

über 100 Nachkommen

Ratten leben in Rudeln. Dort gibt es eine Rangordnung. Am Geruch erkennen sie, wer dazugehört. Die Tiere vermehren sich rasend schnell. «Schon mit drei Monaten bekommen sie Nachwuchs», erklärt Jakob Noack. «Die Weibchen können dann etwa alle zwei Monate Junge bekommen. Ein Wurf umfasst dann acht bis zwölf Rattenbabys.» So kann ein einziges Rattenpaar im Jahr über 100 Nachkommen haben.

Eine erwachsene Wanderratte wird über 20 Zentimeter lang. Dazu kommt dann noch einmal genauso langer Schwanz. Trotzdem können sich die Nagetiere durch enge Löcher quetschen. Sie passen überall durch, was größer ist als ein 2-Euro-Stück im Durchmesser, so der Experte. Daher gelangen die Tiere sehr leicht in Gebäude hinein. Und dort können sie zum Problem werden.

«Ratten sind Schädlinge», sagt Jakob Noack. «Sie können über 100 verschiedene Krankheiten übertragen.» Außerdem können sie in den Häusern viel kaputtmachen. Denn mit ihren scharfen Nagezähnen knabbern sie sich durch Wände, Böden und Leitungen. Sogar rostiges Metall ist kein Hindernis für sie.

Aus diesem Grund müssen die Menschen darauf achten, dass die Ratten ihnen nicht zu nahe kommen. Wie das geht? Indem wir Müll vermeiden. «Ratten machen sich nur dort breit, wo sie genug Nahrung finden», so der Fachmann. «Hausmüll gehört daher immer in geschlossene Tonnen. Beim Picknick im Park sollte alles wieder weggeräumt werden. Und Essensreste darf man nicht das Klo hinunterspülen.»

Unnütz und ungesund

In Berlin leben knapp 4 Millionen Menschen – und über 2 Millionen Ratten. Wenn die Nager zu viele werden, greifen manche Leute zu Gift. Doch das ist keine so gute Idee. Das Gift schadet der Umwelt und anderen Tieren. Außerdem sind Ratten schlau: Sie merken sich gefährliche Köder und meiden sie.

Deshalb setzt die Stadt immer öfter auf umweltfreundlichere Lösungen. In der Kanalisation werden spezielle elektronische Schlagfallen eingebaut. Sie kommen ganz ohne Gift aus. Die Technik reagiert auf die Bewegung und Körperwärme der Nager. Betritt eine Ratte die Falle, wird sie sofort ausgelöst. So will man die Zahl der Ratten kontrollieren, ohne die Umwelt zusätzlich zu belasten.

Text und Foto: Philipp Brandstädter,
zunächst erschienen über dpa Nachrichten für Kinder, Mai 2026

Quellen:

Wanderratte

Ratten-Management

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