Joschua Knüppe malt Dinosaurier und andere Wesen aus der Urzeit. Damit veranschaulicht er, wie die Welt vor vielen Millionen Jahren ausgesehen hat. Aber woher weiß er das?
Hast du schon einmal einen Dinosaurier gemalt? Wenn du richtig gut darin bist, kannst du das sogar beruflich machen! So wie Joschua Knüppe. Der ist Dinomaler, oder wie man fachmännisch sagt: Paläokünstler.
«Gerade entwerfe ich einen Europasaurus auf dem Zeichenbrett», sagt Joschua Knüppe.. Das ist ein kleiner Langhals-Saurier, der vor vielen Millionen Jahren hier in Deutschland gelebt hat. Archäologen haben den Künstler mit der Zeichnung beauftragt. «Mit meiner Arbeit werden zum Beispiel die Ergebnisse von Studien veranschaulicht», erklärt er. «Aber auch mit Museen, Verlagen und Fernsehsendern arbeite ich zusammen.»
Anders als man glaubt
Hinter Joschua Knüppes Gemälden steckt viel Wissenschaft. Denn der Künstler denkt sich die Dinos nicht einfach so aus. Er entwickelt sie anhand von urzeitlichen Knochen, Weichteilen und Gewebe, die Archäologen ausgegraben haben. «Ich muss viel über Körperbau, den Laufstil und auch grundsätzliche Physik wissen», sagt Joschua Knüppe.
Obwohl sich Joschua Knüppe mit lange vergangenen Zeiten beschäftigt: In der Welt der Dinos passiert fast jeden Tag etwas Neues. «Ständig entdecken Forschende weitere Knochen bei Ausgrabungen», sagt er. «Oder aber sie untersuchen bereits entdeckte Knochen mit neuen Technologien.»
Durch solche neuen Erkenntnisse ist mittlerweile klar: Die Dinosaurier sahen oft ganz anders aus als die meisten Leute glauben. Zwar hat kein Mensch je einen lebenden Dinosaurier gesehen. Trotzdem haben viele eine klare Vorstellung von den Wesen der Urzeit: Die Dinos sind meist riesige, monströs aussehende Riesenechsen. So kennen wir sie jedenfalls aus Filmen und älteren Büchern.
So wie Jurassic Park
Aber diese Bilder beruhen eben auf alten Vermutungen der Forschung. Die sind längst überholt. Ein bekanntes Beispiel ist zum Beispiel der Velociraptor. Im der Filmreihe Jurassic Park ist das Tier so groß wie ein Erwachsener und nackt wie ein Reptil. Heute weiß man: Die Dinoart war nicht einmal halb so groß und trug ein langes Federkleid.
Offenbar trugen viel mehr Saurierarten Federn oder eine Art Fell. Auch müssen sie muskulöser gewesen sein, um etwa ihre langen Hälse heben zu können. Außerdem sahen die Gesichter der Urzeit-Monster wahrscheinlich weniger monströs aus. «In Filmen werden vor allem die Raubsaurier an Land mit freiliegenden Zähnen gezeigt», sagt Joschua Knüppe. «Das wirkt gefährlicher, macht aber keinen Sinn.» Denn das Zahnfleisch wäre dann an der Luft ausgetrocknet, wodurch die Zähne kaputtgegangen wären. T-Rex, Spinosaurus und Allosaurus müssen also Lippen gehabt haben, die die spitzen Zähne schützten.
«Ich habe schon einmal eine Saurierart gezeichnet und schon am nächsten Tag war klar, dass ich falsch lag», sagt Joschua Knüppe. Eine neue Studie hatte wieder neue Hinweise zu dem Tier gezeigt. «Ich kann nie ganz sicher wissen, wie ein Dino ausgesehen hat. Zu meinem Beruf gehört eben auch viel Phantasie.»
Die Urzeit war viel bunter
Welche Farben haben Dinos getragen? Hatten sie Muster wie Punkte oder Streifen? Noch vor einigen Jahren konnte man das nur raten. Denn in den versteinerten Knochen bleiben die Pigmente von Farben nicht erhalten.
Dennoch ist inzwischen bekannt, dass viele Saurier wohl ziemlich bunt waren. Denn Forschende entdeckten in Dinoknochen winzige Kapseln, in denen die Farbpigmente steckten: die Melanosome. Je nach Form und Ausrichtung kann man heute auf die Färbung schließen.
Eine bunte Dinowelt ist auch aus einem weiteren Grund schlüssig. Schließlich sind die Saurier die Vorfahren der Vögel. Deren Augen können Farben viel besser wahrnehmen als etwa wir Menschen. Farben spielen demnach für Vögel eine größere Rolle als für Säugetiere. Für Dinosaurier galt das vermutlich ebenso.
Text und Foto: Philipp Brandstädter,
zunächst erschienen über dpa Nachrichten für Kinder, Februar 2026
Quellen:
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