Maden im Käse

Pfui, Spinne! Warum Ekel ein so wichtiges Gefühl ist

Was übel riecht oder widerlich aussieht, erzeugt in uns ein starkes Gefühl: Ekel. Er ist ein wichtiger Reiz, der uns vor Gefahren schützt. Er kann aber auch scheinbar unbegründet sein.

Fette Spinnen, glitschige Würmer oder Kröten finden manche Leute eklig. Wer sich nicht die Hände wäscht oder in der Nase popelt, kann auch eklig sein. Hundekacke auf dem Gehweg oder ein total verschimmelter Joghurt im Kühlschrank: supereklig! Sich vor etwas zu ekeln, ist kein schönes Gefühl. Doch es ist nützlich!

«Ekel ist ein sehr starkes Gefühl», sagt der Psychologe Jakob Fink-Lamotte. Neben Freude, Wut und Trauer ist der Ekel etwas, das wir von Geburt an fühlen können. Offenbar ist das Gefühl also wichtig für uns. «Es ist ein lebenswichtiger Schutz vor allem, das für uns giftig sein könnte.»

Unsere Reaktion auf eklige Dinge ist immer ähnlich: Wir gehen auf Abstand, verziehen das Gesicht. «Dabei schließen wir die Augen, sodass nichts in sie hineinkommen kann», sagt der Fachmann. «Außerdem entstehen Falten im Gesicht.» An denen können etwa eklige Flüssigkeiten ablaufen, ohne dass sie Mund und Augen berühren.

Mit allen Sinnen

Wir können den Ekel mit allen Sinnen wahrnehmen. Die einen ekeln sich, wenn sie etwas Schleimiges anfassen. Andere ekeln sich, wenn jemand beim Essen schmatzt. Besonders empfindlich reagieren wir aber, wenn etwas übel riecht oder schmeckt. Der Grund: «Wir müssen genau wissen, ob unsere Nahrungsmittel in Ordnung sind», sagt Jakob Fink-Lamotte. Denn was in unseren Körper kommt, darf uns nicht krank machen.

Babys und Kleinkinder mögen zunächst kein Essen, das grün ist, sauer oder bitter schmeckt. Das sind schließlich Zeichen dafür, dass etwa eine Frucht noch nicht reif oder überhaupt ungenießbar ist. Erst nach und nach lernen wir, dass man Bohnen, Brokkoli und Spinat trotz der Warnzeichen essen kann. Wir können uns den Ekel also auch abgewöhnen.

Frage der Kultur

Das kann man gut an speziellen Gerichten erkennen, die in bestimmten Ländern gegessen werden und anderswo nicht. «Welches Essen die Leute köstlich oder eklig finden, hängt von ihrer Kultur ab», sagt der Experte. In Europa bestellen zwar viele Leute Garnelen und andere Meeresfrüchte im Restaurant. Spinnen und Insekten hingegen stehen wohl eher selten auf der Speisekarte. In einigen Ländern Asiens, Afrikas und Südamerika hingegen kommen einige Krabbeltiere auf den Tisch.

«Dafür finden manche Menschen vielleicht Käse eklig», räumt der Fachmann ein. «Schließlich ist Käse geronnene Milch.» Wir hätten also allen Grund, beim Anblick von Käse sofort die Nase zu rümpfen. Ekel ist also nicht nur angeboren, sondern auch erlernt. Er ist meistens nützlich, aber manchmal auch nicht logisch.

Ekliges Museum

An der Theke kann man ein paar Leckereien probieren: die stinkende Durian-Frucht oder geröstete Würmer zum Beispiel. Einmal im Monat wird sogar feierlich ein Surströmming geöffnet. Das ist eine Dose mit fermentiertem Fisch, die ganz fürchterlich stinkt.

All diese Speisen sind in einem bestimmten Land eine echte Spezialität: der Stinkefisch in Schweden, die Würmer und die Frucht in Südost-Asien. Hierzulande brauchen die Menschen wahrscheinlich Überwindung, die Spezialitäten zu kosten. Im Disgusting Food Museum in Berlin können sie sich trauen.

Das Museum dreht sich rund um ekliges Essen, das anderswo beliebt ist. Die Besucher lernen etwas über Kulturen und Speisen. Außerdem können sie ihren eigenen Ekel erforschen. Um die 100 Lebensmitteln sind ausgestellt, die die meisten Leute wohl nicht anrühren würden: vom Käse mit Maden, über eingelegte Schafs-Augen bis hin zur frittierten Spinne. Na, lecker…

Text und Foto: Philipp Brandstädter,
zunächst erschienen über dpa Nachrichten für Kinder, April 2026

Quellen:

Basisemotionen

Disgusting Food Museum

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