Sie haben acht Arme, können ihre Farbe wechseln, mit Tinte spritzen und sich unheimlich dünn machen. Oktopoden wirken auf uns wie Ungeheuer von einem anderen Stern. Oktopus Oskar erzählt aus seinem Leben.
Ohje, du bist aber arm dran. Du hast ja bloß vier Arme – und zwei davon brauchst du als Beine zum Laufen. Da bin ich mit meinen acht Armen besser dran. Gestatten: Ich bin Oskar, der Oktopus. Ich wohne gut versteckt in den Tiefen der Meere. Und ich erzähle dir jetzt ein paar Sachen über mich, die dir wahrscheinlich ein bisschen ungewöhnlich vorkommen.
Also, die acht Arme sind dir schon einmal aufgefallen. Aber was ist das da unter meinen Augen? Eine Nase ist das nicht. Das ist mein Mantel. Darin befinden sich meine Organe. Ein Gehirn zum Beispiel, oder auch drei Herzen. Ja, gleich drei! Durch die pumpt blaues Blut. Blau, nicht rot. Aber das ist bei uns wirbellosen Tieren ganz normal.
Flexibel ohne Knochen
Im Gegensatz zu dir habe ich keine Wirbelsäule. Ich habe überhaupt keine Knochen. Bloß einen Schnabel aus Horn, mit dem ich jage und fresse. Keine Knochen zu haben ist echt praktisch. Dadurch kann ich mich fast überall durchquetschen und unheimlich dünn machen. So dünn, wie es mein messerscharfer Schnabel zulässt. Mit dem zerkaue ich kleine Krabben, Krebse und Fische. Auch Muscheln fresse ich mit Vorliebe. Ihre Schalen sind kein großes Hindernis für mich. Die breche ich leicht mit meinen starken Armen auf.
An meinen Armen sind ganz viele Saugnäpfe dran. Mit denen kann ich mich festhalten und zupacken, aber auch schmecken und riechen. Stell dir vor, du würdest alles schmecken und riechen, was du berührst. Natürlich benutze ich meine Arme auch zum Bewegen. Ich kann schwimmen und auf dem Boden krabbeln. Wenn’s sein muss, auch an Land.
Millionen Jahre alt
Seit Millionen von Jahren bin ich auf der ganzen Welt anzutreffen. Die Menschen bekommen mich allerdings nur selten zu Gesicht. Denn ich kann mich fast unsichtbar machen. Wenn ich meine Muskeln anspanne, kann ich meine Farbe verändern. Ich passe mich dann einfach an den Meeresboden an und bin dadurch gut getarnt. Oder aber ich schlüpfe in ein Versteck und verschließe den Eingang mit einem Stein oder einer Muschelschale. So bleibe ich unentdeckt. Und wenn mir doch einmal jemand zu sehr auf den Keks geht, dann verspritze ich eine Ladung Tinte und schwimme schnell davon.
Vielleicht findet ihr Leute mich ja gerade deshalb so interessant, weil ihr mich so rar mache. Oder aber, weil ich so klug bin! Wer acht Arme hat und die nicht ständig miteinander verknoten will, muss ziemlich viel Hirnschmalz haben. Und der befindet sich bei mir nicht nur im Kopf, sondern auch in meinen Armen. Damit gelte ich als das cleverste Kerlchen unter den wirbellosen Tieren. Aber mal unter uns: Die Konkurrenz ist nicht sehr groß. Die ganzen Schwämme, Würmer und Muscheln hier im Meer sind schließlich ganz schön weich in der Rübe.
Viel Grips
Wir Oktopoden zählen zu den ältesten Lebewesen der Erde. Seit über 500 Millionen Jahren sollen wirschon durch die Ozeane schwimmen. Zeit genug, um sich weit zu entwickeln. Wir können lernen, überlegen, uns erinnern. Mit unserem ausgeprägten Gehirn können wir etwa Gegenstände benutzen und bestimmte Rätsel lösen.
In Tests haben wir gezeigt: Wir können Futter aus einem verschraubten Einmachglas angeln. In Versuchen haben Forscher beobachtet, wie Oktopoden Schraubgläser untersuchen, bis sie schließlich den Dreh raus haben. Deckel aufschrauben, abheben, guten Appetit. Einmal gelernt, schrauben wir dann umso schneller das Glas auf. Das bedeutet: Wir lernen Dinge und merken sie uns.
Text und Foto: Philipp Brandstädter,
zunächst erschienen über dpa Nachrichten für Kinder, September 2015
Quellen:
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