Synthesizer

Synthesizer: Künstliche Klänge aus der Kiste

Der Synthesizer kommt heute in so ziemlich jedem Song zum Einsatz. Doch was ist das überhaupt für ein Instrument?

Ob Klavier, Gitarre oder Schlagzeug: Die meisten Musikinstrumente erzeugen auf eine ganz ähnliche Art Töne. Wenn Tasten gedrückt, Saiten gezupft und Trommelfelle geschlagen werden, gerät Luft in Schwingung. Doch es gibt auch ein Instrument, das Klänge erzeugt, ohne dass sich solche Bauteile bewegen: den Synthesizer.

Synthetisch kann so viel bedeuten wie künstlich. Ein Synthesizer erzeugt seine Klänge nicht durch Holz, Metall oder gespannte Saiten, sondern durch Elektronik. Die Töne entstehen in elektronischen Schaltkreisen. Erst ganz am Ende werden sie über einen Lautsprecher hörbar.

Erst nur Experimente

«Die ersten Pläne für solche Geräte gab es schon vor über 150 Jahren», erklärt Michael Soltau vom Synthesizer-Museum in Berlin. Die Idee dahinter: Man wollte Töne nicht über Luft, sondern über viel weitere Strecken elektrisch per Kabel übertragen. Später wurden die Geräte an Universitäten konstruiert und verwendet. «Diese Maschinen waren so groß wie Kirchenorgeln und waren eher für musikalische Experimente gedacht», sagt der Experte.

Doch bald wurde der Synthesizer für Musikerinnen und Musiker als richtiges Instrument interessant. «Der Erfinder Robert Moog hatte einen Kästen voller Kabel und Buchsen erfunden», sagt Michael Soltau. Über eine Tastatur wie beim Klavier ließ sich das Gerät leicht bedienen. Die tieferen und höheren Töne konnte man mit Knöpfen und Reglern verändern: lauter und leiser, heller und dunkler, wummernd und schrill. «So komponierten immer mehr Leute völlig neue und verrückte Klänge für Filme, Computerspiele und natürlich ihre eigenen Lieder.»

Von da an veränderte der Synthesizer die Musik auf der ganzen Welt. «Um Musik zu machen brauchte man keine Band mit vielen Instrumenten mehr», erklärt Michael Soltau. Ein Synthesizer genügte. Und die Geräte wurden immer günstiger.

Immer wieder ähnliche Klänge

So komponierten immer mehr Musiker synthetische Melodien und speicherten sie ab, um sie wieder zu verwenden. Hatte jemand mit einem bestimmten Sound Erfolg, benutzten andere Musiker ähnliche Melodien. Hersteller verkauften Synthesizer mit voreingestellten Melodien und Rhythmen, die jeder einfach benutzen konnte. So tauchten die ähnlichen Klänge immer wieder in der Popmusik auf.

Der Synthesizer hatte noch weitere Vorteile: Die Technik in dem Instrument wird nicht müde, verspielt sich nicht und bleibt immer im Takt. Auf diese Weise konnte man stundenlang und ohne Pause Melodien und Bässe abspielen. Das machte die Musikrichtung der elektronischen Tanzmusik und des Techno überhaupt erst möglich.

«Heute steckt in so ziemlich jedem modernen Song ein bisschen Synthesizer», sagt Michael Soltau. Selbst wenn die Musik nach Gitarre, Klavier und Schlagzeug klingt, steckt oft gar kein mechanisches Instrument dahinter. «Und manchmal komponiert jemand völlig neue Klänge, die es vorher noch nicht gegeben hat. Das klingt dann so wie Musik aus einer anderen Zeit». Diese unendlichen Möglichkeiten mache den Synthesizer so spannend, meint der Experte.

Funktionsweise

Ein Synthesizer schafft Klänge, ohne dass sich zunächst mechanische Teile bewegen. Im Inneren des Instruments arbeitet nur Elektronik. Erst ganz zum Schluss wird aus einem elektrsichen Signale ein hörbarer Ton im Lautsprecher.

Grundsätzlich besteht ein Synthesizer aus den gleichen Bauteilen. Eines ist der Oszillator. Das ist eine Schaltung, die elektrische Schwingungen erzeugt. Mehrere Oszillatoren können zusammenarbeiten, damit der Klang voller und vielfältiger wird.

Die Signale werden anschließend in einem Mixer zusammengeführt und gemischt. Danach wandern sie durch einen Filter. Dieser verändert die Klangfarbe: Er kann Töne etwa heller, dunkler, weicher oder klarer machen. Ein Verstärker regelt dann wie laut ein Tonn sein und wie er sich zeitlich verhalten soll. So kann ein Klang langsam einsetzen, schnell verklingen oder lange anhalten.

Zusätzliche sogenannte Modulatoren sorgen für noch mehr Bewegung und Effekte, etwa für ein Zittern im Klang oder für rhythmische Veränderungen. Durch das Zusammenspiel all dieser Module lassen sich unendlich viele Klänge erzeugen.

Text und Foto: Philipp Brandstädter,
zunächst erschienen über dpa Nachrichten für Kinder, März 2026

Quellen:

Geschichte

Funktion

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