Libelle schlüpft

Unter Wasser, in der Luft: Das Doppelleben der Libelle

An Teichen und Bächen kann man oft Libellen bei ihren Flugmanövern beobachten. Jedoch: Die faszinierenden Insekten sind gefährdet.

Unter den Insekten ist sie eine echte Kunstfliegerin: die Libelle. Superschnell und wendig fliegen die Tiere umher – und können dabei auch auf der Stelle schweben. Besonders an Teichen und Bächen lässt sich das gut beobachten. Gewässer sind für die Insekten lebenswichtig. Doch woran liegt das?

Libellen führen eine Art Doppelleben. Denn bevor die Tiere als wahre Flug-Asse durch die Luft schwirren, verbringen sie lange Zeit auf Tauchgang. Nachdem Libellen als Larven aus ihren Eiern geschlüpft sind, geht es im Wasser auf die Jagd. Dazu tragen sie eine besonders entwickelte Fangmaske am Kopf. Mit der fressen sie alles, was in die Maske passt: Mückenlarven, kleine Krebstiere, sogar Kaulquappen oder kleine Fische können Beute sein.

«Einige Arten verbringen fünf bis sechs Jahre unter Wasser», erklärt der Libellenexperte Klaus-Jürgen Conze. «Dabei verstecken sie sich die meiste Zeit zwischen Pflanzen oder graben sich im Gewässergrund ein. Dort lauern sie dann auf ihre Beute, fressen und wachsen.»

Nah am Wasser

Während die Larve immer größer wird, häutet sie sich mehrfach. Bis sie schließlich aus dem Wasser klettert und ein letztes Mal aus ihrer Larvenhülle schlüpft. Zu diesem Zeitpunkt sind den Insekten zwei prächtige Flügelpaare gewachsen. Die breitet sie aus und hebt schließlich zum Flug ab. Mit ihren riesigen Facettenaugen haben die Tiere ihre Umgebung scharf im Blick: So jagen sie im Flug etwa Mücken, Fliegen oder kleinere Falter über der Wasseroberfläche. Als erwachsene Fluginsekten verbringen Libellen vergleichsweise wenig Zeit. Die Libellen, so wie wir sie kennen, leben nach ihrer Larvenzeit unter Wasser nur noch ein paar Wochen.

Libellen sind also unbedingt auf Gewässer angewiesen. Und das ist ein großes Problem. Klaus-Jürgen Conze erklärt: «Mit dem Klimawandel erwärmten sich unsere Gewässer. Je wärmer Wasser ist, desto weniger Sauerstoff ist darin, den die Libellenlarven zum Atmen brauchen. Zudem trocknen viele Gewässer aus.» Aus diesem Grund sind viele der rund 80 in Deutschland lebenden Libellenarten bedroht: 48 von ihnen stehen auf der Roten Liste gefährdeter Insekten. Naturschützer bemühen sich deshalb darum, die Tiere und ihre Lebensräume zu bewahren.

Kunstwerk der Natur

Flugfähige Libellen haben vier etwa gleich große Flügel Die Insekten können sie unabhängig voneinander bewegen. Das macht tolle Flugmanöver möglich! «Libellen können auf der Stelle und rückwärts fliegen und Loopings drehen», erklärt der Fachmann. Bis zu 50 Stundenkilometer können die Insekten schnell sein. Also so schnell wie ein Auto innerorts fahren darf. «Es gibt auch Arten, die sehr lange fliegen und auch weite Strecken zurücklegen können.» Das haben Forschende herausgefunden, indem sie an große Libellenarten mit einem Sensor versehen und verfolgt haben.

In vielen Bereichen wird an den Insekten geforscht. «Die Flügel sind leicht und strapazierfähig zugleich», so der Experte weiter. «Das macht sie zu echten Kunstwerken der Natur. Sie dienen deshalb schon lange als Vorlage für Forscher, um ähnliche Flügel nachzubauen.»

Text und Foto: Philipp Brandstädter,
zunächst erschienen über dpa Nachrichten für Kinder, Februar 2026

Quellen:

Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen

Libellenarten

Von der Larve zur Libelle

Nabu zu Libellen

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