Wale und Delfine bewegen sich so schnell und wendig im Wasser wie die Fische. Doch ihre Vorfahren lebten eigentlich an Land.
Delfine und Wale sind keine Fische. Sie sind Säugetiere. Das heißt: Die Weibchen legen keine Eier, sondern bringen Babys zur Welt und säugen diese. Doch ein Säugetier zu sein bedeutet auch: Ihre Vorfahren aller Meeressäuger lebte einst an Land. Mit ihren Ahnen aus der Urzeit haben sie noch einige Gemeinsamkeiten.
Vor vielen Millionen Jahren starben die Dinosaurier aus. Die Kontinente wurden danach mehr und mehr von kleineren Tieren bevölkert. Vögel eroberten die Lüfte, Säugetiere eroberten das Land. Aber einige Säuger blieben nicht dort. Sie passten sich an das Leben im Wasser an.
Keine Fische
«In welche Richtung sich das Leben entwickelt, hat eigentlich immer mit Überlebenschancen zu tun», erklärt Tamara Narganes. Die Meeresbiologin meint damit, dass einige Säuger wohl an Land zu wenig Platz, zu wenig Nahrung oder zu viele Feinde hatten. Offenbar schien das Leben neben den Fischen im Wasser besser zu sein.
Wahrscheinlich wagten sich die Vorfahren der Meeressäuger nur vorsichtig ins Wasser. «Sie lebten am Strand, suchten dort Nahrung oder flohen vor Feinden ins Meer», sagt Tamara Narganes. «Mit der Zeit trauten sie sich immer weiter hinaus ins Wasser.» Doch wie hat die Forschung das überhaupt herausgefunden?
Dass Delfine, Orcas und Belugas keine Fische sind, zeigen schon ihr Körperbau als auch ihr Verhalten. Die Expertin erklärt: «Sie atmen mit Lungen und nicht mit Kiemen. Darum müssen sie zum Atmen an die Wasseroberfläche.» Auch ihre Bewegung ist anders: Wale und Delfine schwimmen, indem sie ihren Körper auf und ab bewegen. Fische schlängeln sich dagegen mit Seitwärts-Bewegungen durchs Wasser.
Wale sind Flusspferde
Ein Blick auf das Skelett liefert weitere Hinweise. Das Knochengerüst der Wale ist das eines Säugetiers. Die einzelnen Knochen sind nur unterschiedlich ausgeprägt. «Ihre Vorderbeine haben sich zu Brustflossen entwickelt», erklärt Tamara Narganes. In einer Walflosse kann man die gleiche Knochenordnung erkennen wie in einer Menschenhand: mit Handwurzel und Fingern.
Neben Walen und Delfinen gibt es noch andere Meeressäuger: Robben und Seekühe. Die Meeresbiologin erklärt: «Robben stammen von landlebenden Raubtieren wie Bären ab. Seekühe sind mit Elefanten verwandt.» Die nächsten Verwandten der Wale sind weniger eindeutig. Dazu mussten Forschende das Erbgut mit anderen Säugetieren vergleichen. Dabei kam heraus: Die Ur-Ur-Ur-Großeltern der Wale sind Flusspferde.
Die ältesten bekannten Urwale lebten vor über 50 Millionen Jahren. Sie sahen eher wie kleine Rehe aus. Ihre Füße waren noch gut zum Laufen geeignet. Sie halfen aber auch schon beim Schwimmen. Über die Jahrmillionen passten sich diese Tiere dann immer besser an das Leben im Wasser an. Vorderbeine und Schwanz wurden Flossen. Eine dicke Speckschicht ersetzte das Fell. So halten sich die Meeressäuger auch in eiskaltem Wasser warm.
Sinne im Wasser
Schritt für Schritt haben sich Meeressäuger an das Leben im Wasser angepasst. So können Robben und Wale etwa über und unter Wasser sehen. Ihre Augen werden von zusätzlichen Schichten geschützt. Riechen und Schmecken spielen im Wasser eine kleine Rolle. Dafür aber ist der Hörsinn bei allen Meeressäugern besonders empfindlich.
Schall breitet sich im Wasser etwa viermal schneller aus als in der Luft. Das nutzen alle Wale, und Delfine für ihre Orientierung, die Jagd und die Verständigung. Auch im tiefen Wasser bei völliger Dunkelheit finden sie ihre Beute. Robben nutzen zusätzlich ihre empfindlichen Tasthaare.
Auch die Lungen dieser Säugetiere sind außergewöhnlich. Sie können für ihre Tauchgänge ihre Luft lange anhalten. Pottwale tauchen bis zu 90 Minuten am Stück. Den Sauerstoff speichern sie hierfür nicht nur im Blut, sondern auch in den Muskeln.
Text und Foto: Philipp Brandstädter,
zunächst erschienen über dpa Nachrichten für Kinder, Februar 2026
Quellen:
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