Wie entsteht Erinnerung? Um das genauer herauszufinden, untersuchen Forscher das menschliche Gehirn. Dabei haben sie eine Entdeckung gemacht.
Die Geheimzahl für den Tresor lautet 4-2-7-3-5-1. Nun schließe die Augen und wiederhole die Zahlen. Hat’s geklappt? Prima, dann hast du dir die Zahlen gemerkt und dein Gedächtnis funktioniert!
Dieses Gedächtnis merkt sich unheimlich viel: die Verwandten und Freunde, die wir sehen, die Orte, die wir besuchen, die Geschichten, die uns jemand erzählt. Hinzu kommen die Musik, Bücher, Filme – und natürlich der ganze Stoff, den wir in der Schule lernen. All diese Wörter und Zahlen speichert unser Gehirn wie ein Computer Daten speichert. Manches bleibt dort lange erhalten, wie ein kleiner Film im Kopf. Andere Dinge vergessen wir wieder.
Alles beginnt mit unseren Sinnesorganen: «Was wir sehen, hören, riechen, schmecken und tasten, nehmen wir als Informationen aus der Umgebung auf», erklärt der Hirnforscher Marcel Bausch. «Diese Eindrücke werden als elektrische Signale an das Gehirn weitergeleitet». Dort fließen sie durch ein Netzwerk aus Nervenzellen, wie elektrischer Strom durch ein Kabel.
Kurzzeit und Langzeit
In diesem Netzwerk entscheidet das Gehirn, welche Informationen wichtig genug sind, um gespeichert zu werden. Die erste Station ist das Kurzzeitgedächtnis. Der Name sagt es schon: Hier werden Informationen für kurze Zeit festgehalten, oft nur für wenige Sekunden. Zahlen kann man sich zum Beispiel meist nur gerade so lange merken, um sie sich aufzuschreiben. Oder kannst du dich noch an die Geheimzahl für den Tresor erinnern?
Andere Informationen gelangen weiter ins Großhirn. Dort befindet sich unser Langzeitgedächtnis. Hier sind Milliarden Nervenzellen miteinander verwoben. So kann unser Gehirn Erinnerungen für Tage, Jahre oder sogar ein Leben lang speichern kann. Das Gehirn prüft dabei die Neuigkeit, wie wichtig sie ist. Marcel Bausch sagt: «Dinge, die uns besonders interessieren oder bei denen wir starke Gefühle empfinden, werden bevorzugt gespeichert.»
Hilfe beim Lernen
Deshalb erinnern wir uns an schöne Erlebnisse und spannende Geschichten. Auch Dinge, die uns immer wieder beschäftigen, können wir uns länger merken: unseren Namen und unsere Adresse, unsere Eltern, unsere Freunde. So etwas vergessen wir natürlich nicht.
Langweilige Fakten wie Vokabeln oder Matheformeln hingegen vergessen wir schnell wieder. Darum müssen wir mehr dafür tun, damit sie überhaupt ins Langzeitgedächtnis gelangen. Um sich etwa öden Schulstoff besser einzuprägen, gibt es ein paar Tricks: So hilft es, das Gelernte aufzuschreiben und immer wieder zu wiederholen. «Es ist auch nützlich, mit anderen über den Stoff zu sprechen oder zu versuchen, Spaß daran zu finden», so der Forscher.
An bestimmten Orten abgespeichert
Erst nach und nach verstehen wir, wie genau unser Gehirn funktioniert. Forschende fanden gerade heraus, dass es Nervenzellen gibt, wo ganz bestimmte Erinnerungen abgespeichert werden.
Unser Gehirn speichert Erinnerungen offenbar in zwei getrennten Bereichen. Eine Gruppe von Nervenzellen speichert den Inhalt einer Erinnerung, etwa eine Person oder einen Gegenstand. Die andere Gruppe ist für den Zusammenhang zuständig. So können wir Erinnerungen an Leute und Dinge zeitlich und örtlich einordnen. Je besser diese beiden Gruppen zusammenspielen, desto besser können wir uns erinnern.
Die Forschenden stellen auch fest: Bei Tieren gibt es diese genaue Trennung nicht. Ihre Nervenzellen im Gehirn vermischen Inhalt und Zusammenhang. Diese Trennung macht das menschliche Gedächtnis einzigartig.
Text und Bild: Philipp Brandstädter,
zunächst erschienen über dpa Nachrichten für Kinder, April 2026
Quellen:
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