Braunbären

Zähne zeigen: Was unsere Beißerchen über uns aussagen

Wir Menschen und die meisten Säugetiere, viele Fische, Reptilien und auch einige Amphibien haben eine Gemeinsamkeit: Wir haben Zähne. Die harten Werkzeuge im Kiefer dienen meistens dazu Nahrung zu zerkleinern. Aber es gibt Ausnahmen.

Die einen knabbern am Grünzeug, manche mahlen Getreide, andere reißen Beute. Viele Tiere – und natürlich auch wir Menschen – haben Zähne. Diese harten und manchmal messerscharfen Werkzeuge sind vor allem dazu da, um Nahrung zu zerkleinern. Doch manche Zähne haben noch ganz andere Aufgaben.

Welche Aufgaben das sind, kann man an ihrer Form ganz gut erkennen. «Vorn im Gebiss liegen die Schneidezähne», erklärt Tierarzt André Schüle. Die sind zum Beispiel bei Nagetieren gut zu sehen. Biber haben so starke Schneidezähne, dass sie damit Bäume fällen.

Stücke reißen

Daneben liegen die Eckzähne. «Die sind bei Raubtieren stark ausgeprägt», so der Experte weiter. «Sie haben sich zu langen Reißzähnen entwickelt, mit denen etwa Löwen ihre Beute packen und Fleischstücke herausreißen können.»

Backenzähne befinden sich im hinteren Teil eines Gebisses. «Sie bilden eine Kaufläche, mit denen etwa Pflanzenfresser wie Rinder oder Elefanten ihre Nahrung zermahlen.» Auch Allesfresser wie etwa Bären, Ratten und natürlich wir Menschen haben diese flächigen Zähne.

Doch wo wir schon bei Elefanten sind: Manche Tiere benutzen ihre Zähne nicht nur zum Fressen. Die Schneidezähne der Dickhäuter haben sich mit der Zeit zu Stoßzähnen entwickelt. Diese sind ein vielfältiges Werkzeug. «Elefanten graben mit ihren Stoßzähnen in der Erde nach Wasser und Wurzeln oder nutzen sie, um etwa Äste und Stämme zu transportieren», sagt André Schüle. «Die Stoßzähne dienen auch als Waffe, um sich gegen Angreifer zu verteidigen.»

Durch Mark und Bein

Egal, welchen Zweck Zähne erfüllen: Möglichst hart müssen sie immer sein. Deshalb sind die meisten Zähne grundsätzlich ähnlich aufgebaut: Sie wachsen im Mund, im Maul oder in der Schnauze aus dem Kiefer heraus und bestehen aus drei Bestandteilen: Der sehr harte Zahnschmelz umgibt das Zahnbein, das etwas elastischer ist, aber immer noch härter als Knochengewebe. Innen versorgt das Zahnmark das Zahnbein mit Nährstoffen und leitet Reize wie Hitze oder Kälte weiter. Im Tierreich gibt es allerdings auch Zähne, die einfacher aufgebaut sind und nicht aus mehreren Schichten bestehen.

Zähne sind also sehr wichtige Werkzeuge für jedes Tier – und auch uns Menschen. Jedoch wachsen bei uns nur ein einziges Mal Zähne nach. Wurden die Milchzähne in der Kindheit durch bleibende Zähne ersetzt, müssen wir diese fortan gut pflegen. Viele Tiere hingegen können ihre Zähne leichtfertiger abnutzen.

Bei Nagetieren etwa wachsen die Zähne ein Lebenlang nach. Bei Fischen und Reptilien werden ausgefallene Zähne immer wieder durch neue ersetzt. Auch bei den Elefanten wachsen die abgenutzten Backenzähne nach, jedoch nicht endlos. Etwa sechsmal bekommen die Tiere neue Backenzähne.

Hart wie Diamant

Holz ist ein harter Stoff, aber nicht so hart wie etwa Perlmutt, aus dem Muschelschalen bestehen. Eisenerz hingegen ist härter als Perlmutt und Diamant wiederum härter als Eisenerz.

Für Mineralien hat der Wissenschaftler Friedich Mohs eine Reihenfolge der Härtegrade bestimmt. In der nach ihm benannten Härteskala hat etwas Gips eine Härte von 2. Den Stoff kann man mit dem Fingernagel einritzen. Quarz hat eine Härte von 7. Diesen Stoff kann man auch mit einem scharfen Messer nicht mehr einritzen. Der härteste Stoff ist Diamant mit einer Härte von 10.

Biologen haben herausgefunden. Auch manche Zähne sind so hart, dass sie mit den härtesten Mineralien mithalten können. So sind die Zähne von Mäusen auf der Mohs’schen Skala eine Härte von 9,6. Mäusezähne sind also fast so hart wie Diamant. Menschenzähne hingegen haben nur eine Härte von 5.

Nicht jeder braucht Zähne

Stell dir vor, du müsstest ohne Zähne auskommen. Einen Apfel, eine krosse Pizza oder Chips zu essen würde dann nicht ganz so leicht gehen. Es gibt aber viele Tiere, die ganz ohne Zähne leben.

Frösche etwa haben keine Zähne. Sie schnappen die Fliegen und anderen Krabbeltiere mit der Zunge, befördern sie ins Maul und schlucken sie in einem Stück herunter. Auch Ameisenbären haben keine Zähne. Auf den Ameisen und Termiten, die sie fressen, müssen sie ja auch nicht lange herumkauen. Und in dem riesigen Maul eines Blauwals sieht es zwar so aus, als würden dort etliche Zähne wachsen. Es handelt sich dabei aber vielmehr um fransige Hornplatten, die Barten. Mit ihnen filtern die riesigen Meerestiere ihre Nahrung aus dem Wasser.

Während die einen Tiere also gar keine Zähne brauchen, scheinen andere gar nicht genug davon haben zu können. Vor allem in den Mäulern von Raubfischen wachsen besonders viele Zähne. Der Wels etwa hat über 9000 davon.

Text und Foto: Philipp Brandstädter,
zunächst erschienen über dpa Nachrichten für Kinder, Dezember 2024

Quellen:

Härteskala

Mäusezähne

Tierzähne

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