Krawumms

Salpeter, Holzkohle, Schwefel

Auch dieses Silvester werden viel weniger Böller gezündet und Raketen in den Nachthimmel geschossen. Wegen der Pandemie wird gerade kein Feuerwerk verkauft. In den Krankenhäusern ist schließlich schon genug zu tun. Da sollen sich zum Neujahrsfest nicht auch noch etliche Leute durch explodierende Böller verletzen. Aber was explodiert da eigentlich?

Christian Lohrer von der Bundesanstalt für Materialforschung weiß, was im Feuerwerk steckt. „Böller sind Knallkörper, in denen sehr schnell chemische Reaktionen ablaufen“, sagt er. So ein Knallkörper ist in der Regel ein Zylinder aus Pappe, in dem Schwarzpulver enthalten ist. Das ist ein Gemisch aus Salpeter, Holzkohle und Schwefel. Und es verbrennt rasend schnell.

Das haben die Leute wohl schon vor über tausend Jahren gewusst. In China soll man Bambusrohre mit Schwarzpulver gefüllt und angezündet haben. Der laute Knall sollte böse Geister vertreiben.

Die beim Verbrennen entstehenden Gase können nicht entweichen und die chemische Reaktion beschleunigt sich.“

Dr. Christian Lohrer, Leiter Pyrotechnik der Bundesanstalt für Materialforschung

Um Schwarzpulver anzuzünden, braucht man besser eine Zündschnur, die in das Pulver ragt. Durch die hat man ein paar Sekunden Zeit, um sich rasch zu entfernen.

„Würde das Schwarzpulver freiliegend entzündet, würde es einfach nur abbrennen“, erklärt Christian Lohrer weiter. „Wenn man das Pulver aber verdämmt, wie etwa in einem Knallkörper, geschieht etwas anderes. Die beim Verbrennen entstehenden Gase können nicht entweichen und die chemische Reaktion beschleunigt sich.“ So wird umso mehr Energie frei, die sich auf einen engen Raum beschränkt. Das Ergebnis ist das, was wir von einem Böller erwarten: Krawumms! Es gibt einen hellen Lichtblitz und einen lauten Knall.

Per Leitstab in die Luft

Eine Feuerwerksrakete ist zunächst auch nichts weiter als ein Pappzylinder mit Schwarzpulver drin. Doch das Pulver dient mitunter als Treibstoff. „Das Schwarzpulver explodiert zunächst nicht, sondern brennt kontrolliert ab“, erklärt Christian Lohrer. „Die Gase entweichen durch ein Loch in der Röhre und stoßen die Rakete in die Luft“.

Dann kommen weitere Bauteile der Rakete ins Spiel. Ein Leitstab sorgt für einen gerichteten Aufstieg und einen stabilen Flug. „In 60 bis 80 Metern Höhe kommt es dann zur Explosion“, sagt der Experte. Denn eine weitere Ladung Schwarzpulver entzündet sich. „Meistens sind Metalle oder Salze beigemischt. Wenn sie verbrennen, entstehen bunte Funken und Blitze, die wir dann am Himmel bestaunen können.“

Bunte Salze

Beim Verbrennen von Schwarzpulver entsteht zunächst eine gelbliche Flamme. Doch mischt man bestimmte Metallsalze bei, verändert sich die Flamme. Strontium-Salze etwa färben die Flamme rot, Barium-Salze grün, Kupfer-Salze blau, Kalium-Salze violett. Wenn es auch noch funkelt und blitzt, stecken Metalle wie Aluminium, Magnesium oder Titan im Schwarzpulver.

So schön ein Feuerwerk anzusehen ist – so gefährlich kann es auch sein. Immer wieder verletzen sich Erwachsene in der Silvesternacht. Entweder, weil sie die Böller und Raketen nicht sachgemäß verwendet haben. Oder, weil sie Feuerwerk benutzt haben, dass nicht geprüft wurde und darum nicht sicher ist.

Die Kolleginnen und Kollegen im Team von Christian Lohrer prüfen Feuerwerk, ob es sicher ist und den Regeln in der EU entspricht. „In unseren Prüfnormen steht genau, wie viel Explosivstoff und reaktionsfähige Substanz in einem Knallkörper stecken darf und wie er aufgebaut sein muss“, sagt der Experte weiter.

F1 F2 F3 F4

Im Verkauf wird Feuerwerk in vier Stufen unterteilt. Die sagen aus, wie gefährlich die Produkte sein können und wer sie benutzen darf. Die auch als Tischfeuerwerk bekannten Produkte gehören zur Kategorie F1. Das sind etwa Knallbonbons und Fontänen, die auch in geschlossenen Räumen verwendet werden können. Sie dürfen das ganze Jahr und von Leuten über 12 Jahren benutzt werden. Das typische Silvesterfeuerwerk gehört zur Kategorie F2. Die Raketen und Böller stellen eine geringe Gefahr dar und dürfen nur im Freien und nur zu Silvester verwendet werden. Man muss älter als 18 Jahre alt sein, um das Feuerwerk zu zünden.

Feuerwerk der Kategorie F3 gibt es kaum im deutschen Handel. Man braucht eine spezielle Erlaubnis, um diese Produkte benutzen zu dürfen. Feuerwerk der Stufe F4 ist nur für absolute Profis. Das sind dann Raketen, Batterien und Kugelbomben, die von erfahrenen Fachleuten etwa bei einem professionellen Großfeuerwerk verwendet werden.

Immer wieder hat es Christian Lohrer mit Böllern und Raketen zu tun, die nicht den Anforderungen entsprechen. „Im ungeprüften Feuerwerk kann dann etwa die Zündschnur zu schnell abbrennen oder viel mehr Schwarzpulver sowie andere Gemische enthalten sein, die viel schneller und heißer verbrennen.“ Diesen Böllern können dann Hörschäden verursachen oder auch schlimme Verletzungen an den Händen.

Der Fachmann rät deshalb: „Wenn Erwachsene Feuerwerk kaufen, sollten sie das in vertrauenswürdigen Geschäften tun und nicht etwa auf dem Rastplatz aus einem Kofferraum.“ Auf den Feuerwerkskörpern sollten Informationen in deutscher Sprache gedruckt sein und keine merkwürdigen Zeichen wie etwa Totenköpfe. „Außerdem sollte man die Anleitung für das Feuerwerk schon tagsüber lesen und nicht kurz vor der Verwendung zu Silvester“, sagt Christian Lohrer. So bringt man sich und andere nicht so schnell in Gefahr.

Text und Bild: Philipp Brandstädter,
zunächst erschienen über dpa Nachrichten für Kinder, Dezember 2021

Quellen

Bundesanstalt für Materialforschung

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