Moonsung Cho und die fliegende Spinne

Ich glaub‘, ich Spinne

Der Sommer ist vorbei, draußen ist es ab und zu immer noch warm. Es ist Altweibersommer. Diese Zeit hat ihren merkwürdigen Namen wegen der Spinnweben, die man zurzeit gut sehen kann. In Sträuchern und auf Wiesen zum Beispiel. Die Spinnweben sehen ein bisschen so aus wie lange graue Haare. Manchmal fliegen sie uns auch direkt an den Arm oder ins Gesicht!

Früher hat man geglaubt, diese Fäden seien Haare von Elfen und Zwergen. Heute wissen wir: Es sind die Flugfäden von winzig kleinen Spinnen. Diese segeln gerade in diesen Tagen in großer Zahl durch die Luft.

Flugfäden? Tatsächlich. Einige Spinnenarten nutzen ihre Fäden, um damit durch die Lüfte zu gleiten. Wie sie das genau machen, blieb der Wissenschaft lange ein Rätsel. Nun hat ein Forscher mehr über den Flug der Spinnen herausgefunden. Und ihn gefilmt.

Fort ist die Spinne

In dem Video kann man das gut beobachten: Eine kleine Spinne sucht sich einen höher gelegenen Aussichtspunkt und klettert ihn hinauf. Etwa auf einen Grashalm. Dann testet sie mit ihren Vorderbeinen die Richtung des Windes. Schließlich spinnt sie einige Fäden. Die funktionieren für die Spinne wie ein Gleitschirm. Das Krabbeltier stellt sich in den Wind und lässt sich davontreiben. Und fort ist die Spinne.

„In der Forschung nennt man das Fadensegelflug“, erklärt Moonsung Cho. Er ist ein Forscher aus dem Land Südkorea. Er hat sich längere Zeit mit den fliegenden Spinnen beschäftigt. Moonsung Cho lässt eine seiner winzigen Spinnen auf der Hand krabbeln. Die Spinne bewegt sich rasch auf die Tastatur eines Laptops. Dann klettert sie die Kante des Bildschirms hoch und seilt sich schließlich an einem Faden wieder auf Moonsung Chos Zeigefinger ab.

„Die Spinnen nutzen diese Technik, wenn sie schnell eine weite Strecke zurücklegen wollen.“ Etwa, wenn es an einem Ort für die Spinne kein Futter oder Fressfeinde gibt. „An ihren Spinnfäden kann sich so ein Tierchen dann viele Kilometer hoch und weit durch die Luft tragen lassen“, sagt der Fachmann. Allerdings sei so eine Flugreise nicht ganz ungefährlich. Schließlich sei die Spinne den Launen des Winds ausgeliefert. Oder dem Appetit von umherfliegenden Vögeln.

Von der Spinne lernen

Weil die Spinnweben für das menschliche Auge so schwer zu sehen sind, wissen wir noch nicht viel über den Fadensegelflug. Moonsung Cho will das ändern. Denn von dieser schlauen Technik könnten sich Menschen viel abschauen. „Wir könnten etwa Wetterballons oder andere Messinstrumente in heftige Stürme fliegen lassen“, erklärt der Experte. „So könnten wir das Wetter noch besser erforschen.“

Darum beobachtet er die fliegenden Spinnen in einem Labor. Dort ist ein Windkanal aufgebaut. Das ist eine Maschine, die wie ein riesiger Fön aussieht. Wie stark dieser Riesenfön Luft pusten soll, kann Moonsung Cho einstellen. Vor dem Windkanal lässt der Forscher seine Spinnen auf einen Stab krabbeln. Von dort aus kann man schließlich beobachten, wie die Tiere ihre Fäden spinnen und wegfliegen. Auf diese Weise hat Moonsung Cho schon herausgefunden, dass unterschiedlich große Spinnen unterschiedlich viele Fäden spinnen. Größere Spinnen brauchen bis zu 60 Fäden zum Abheben.

Die Krabbenspinne kann viel

Eine der fliegenden Spinnen ist übrigens die Krabbenspinne. Mit ihren Acht Augen hat sie ihre Umgebung gut im Blick. Und mit ihren besonders angeordneten Beinchen kann sie etwa genauso gut vorwärts wie rückwärts und seitwärts laufen. So wie eine Krabbe das kann.

Die Veränderliche Krabbenspinne kann sogar ihre Farbe wechseln. Von gelb zu grünlich zu weiß. Gut getarnt wartet sie dann auf Blättern oder Blüten auf ihre Beute. Krabbenspinnen jagt ohne Netz. Fäden spinnen können sie trotzdem. Das machen sie etwa, um sich von einem hohen Punkt abzuseilen oder um davon zu fliegen.

Text und Bild: Philipp Brandstädter,
zunächst erschienen über dpa Nachrichten für Kinder, September 2018

Quellen:

TU Berlin zu Flugfäden

Chos Studie

Artikel National Geographic

Krabbenspinne

Axolotl werden nicht erwachsen

Erbsen, Bohnen, Linsen

Zugvögel mal anders

Tiere im Winter

Weitere Geschichten

Mit Cochlea ohne Ohren hören

Hochhaus für die Freiheit

Torf und Moore schützen