Schuldenuhr

Ein Land macht Schulden

Wer Geld braucht, aber keins mehr hat, muss manchmal Schulden machen. Das tun nicht nur einzelne Personen oder Firmen, sondern auch Staaten. Auch Deutschland hat Schulden. Dabei kann es manchmal sinnvoll sein, dass ein Land einen Kredit aufnimmt, und mal problematisch.

Über zwei Billionen Euro. Das ist eine 2 mit 12 Nullen, eine schwer vorstellbare Zahl. So viele Schulden hat Deutschland. Das ganze Geld hat sich der Staat in den vergangenen Jahrzehnten nach und nach geliehen – und muss sie auch irgendwann wieder zurückzahlen.

Personen, Firmen und ganze Staaten können Schulden machen. Braucht ein Staat mehr Geld als er einnimmt, leiht er sich Geld etwa von Banken oder auch anderen Ländern. „Das meiste Geld nimmt der Staat durch Steuern ein, die die Bürger zahlen“, erklärt Sebastian Panknin vom Bund der Steuerzahler. Mit dem Geld werden unter anderem die Krankenversicherungen und Renten bezahlt. Auch für den Bau von Straßen und Brücken, für die Bildung und Forschung wird viel Geld gebraucht.

Naturkatastrophe, Pandemie, Krieg

Die Regierung berechnet regelmäßig, wie viel Geld sie einnimmt und wie viel sie ausgeben kann. Doch immer wieder kommen unerwartete Kosten dazu. Etwa dann, wenn es eine Naturkatastrophe wie eine Flut gibt. Wenn ein Land Unterstützung braucht, weil es angegriffen wird. Oder weil eine Pandemie herrscht.

Dann gibt es mehrere Möglichkeiten, mehr Geld zu beschaffen. Die Regierung kann zum Beispiel die Steuern erhöhen. „Damit macht sich die Regierung aber unbeliebt bei den Bürgerinnen und Bürgern“, erklärt Sebastian Panknin weiter. Denn die ärgern sich, wenn etwa die Lebensmittel im Supermarkt teurer werden. Ein Staat kann auch versuchen, an anderer Stelle zu sparen. Aber auch das spüren die Leute schnell. „Wenn ein Land jedoch Schulden aufnimmt, bekommen die Menschen das zunächst nicht mit“, so der Fachmann.

Schulden sind also ein bewährtes und leichtes Mittel, um an mehr Geld zu kommen. Ein Staat macht das nicht nur im Ausnahmefall. „Es kann auch manchmal sinnvoll sein, Schulden aufzunehmen und damit die Wirtschaft anzukurbeln“, so der Fachmann. Das heißt: Unternehmen werden vom Staat unterstützt, wenn sie nicht so viel Gewinn machen. Geht es der Wirtschaft dann wieder besser, soll sie das Geld wieder zurückzahlen.

Fair für die nächste Generation

Für denjenigen, der die Schulden gemacht hat, ist es am besten, das Geld möglichst schnell zurückzuzahlen. Denn so lange die Schulden bestehen, so lange muss er dafür Zinsen bezahlen. Das sind Gebühren, die etwa eine Bank auf das geliehene Geld erhebt. Je mehr Geld sie verleiht, desto höhere Zinsen fallen an. „Bei zwei Billionen Euro sind das 40 Milliarden Euro Zinsen, die der Staat jedes Jahr bezahlen muss“, rechnet Sebastian Panknin vor. „Mit dem Geld könnte man zum Beispiel ein Jahr lang die Bundeswehr finanzieren.“

Die Schulden und ihre Zinsen bringen noch ein weiteres Problem mit sich: die Generationengerechtigkeit. Für die Schulden, die für eine Generation gemacht wurden und nicht zurückgezahlt wurden, muss früher oder später eine folgende Generation aufkommen. Und das ist natürlich nicht fair. Sebastian Panknin meint, dass Deutschland eigentlich seine Schulden zurückzahlen könnte. „Wir nehmen nicht zu wenig Geld ein, wir geben zu viel aus“, sagt der Experte. Wenn es nach dem Experten ginge, sollte der Staat darum hier und da ein bisschen sparen.

Die Bremse hilft

Griechenland, Argentinien und auch Russland ist es schon passiert: Sie sind pleite gegangen. Wenn ein ganzes Land kein Geld mehr hat, ist das besonders schlimm. Die Bürgerinnen und Bürger bangen um ihr Geld, Firmen können schlechter Handel treiben und der Staat bekommt kaum noch weitere Kredite von Banken und anderen Ländern.

Damit das in Deutschland nicht passiert, wurde vor einigen Jahren ein wichtiges Gesetz eingeführt: die Schuldenbremse. Damit verpflichtet sich das Land, neue Schulden nur bis zu einer bestimmten Höhe aufzunehmen. Wieviel das ist, richtet sich nach der Wirtschaftskraft. Außerdem muss es die Schulen in absehbarer Zeit auch wieder zurückzahlen.

Viele rote Zahlen

Ganz vorn steht eine zwei. Dann folgen eine eins, eine fünf und eine drei. Am Ende der langen Zahl ändern sich die Ziffern jede Sekunde. So sieht die Schuldenuhr aus. Das ist eine Anzeige mit vielen roten Zahlen. Sie hängt am Gebäude des Bunds der Steuerzahler in Berlin. Mit ihr soll veranschaulicht werden, wie viele Schulden Deutschland bereits hat und weiterhin macht.

Und das geht so: Der Bund der Steuerzahler errechnet jedes Jahr die Schuldensumme, die eine Regierung aufnimmt. Diese Zahl wird dann durch 365 Tage im Jahr geteilt, und noch einmal durch 24 Stunden, durch 60 Minuten und durch 60 Sekunden. So ergibt sich ein Betrag, der jede Sekunde auf die Gesamtsumme der Schulden aufgerechnet wird. Die Uhr kann auch rückwärts laufen, wenn der Staat Schulden abbaut.

Eine andere rote Zahl zeigt einen Schuldenstand an, der auf die Zahl der Einwohner im Land heruntergerechnet wurde. Dieser Schuldenstand nennt sich auch Pro-Kopf-Verschuldung.

Text und Bild: Philipp Brandstädter,
zunächst erschienen über dpa Nachrichten für Kinder, Juli 2022

Quellen:

BPB über Staatsverschuldung

Bundesfinanzministerium

Deutsches Finanzwesen

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