Silberfischchen

Silberfischchen sind nützlich

He, du da oben! Kannst du mal bitteschön aufpassen, wo du hin trittst? Sonst machst du mich noch platt! Und das wäre ziemlich unhöflich. Mach‘ nächstes Mal einfach das Licht an und warte einen Augenblick ab, wenn du ins Bad willst. Dann verschwinde ich in irgendeiner Ecke und du wirst gar nicht ahnen, dass ich auch hier wohne.

Aber jetzt, wo wir uns schon begegnet sind: Schönen guten Morgen, ich bin ein Silberfischchen. Ich bin ein Insekt, habe Fühler und sechs kleine Beine, aber keine Flügel. Darum bin ich eben nicht der Schnellste. Dafür glänze ich ganz toll und das sieht ja wohl super aus, oder nicht?

Uns gibt es schon ewig

Solche wie mich gibt es schon unheimlich lange auf dieser Erde. Länger als die meisten Tiere – und auf jeden Fall länger als euch Menschen. Aber die Badezimmer, Küchen und Keller, die ihr gebaut habt, die gefallen uns ganz gut. Wir Silberfischchen fühlen uns nämlich dort wohl, wo es warm und feucht ist. Und wo es genug zu Fressen gibt natürlich.

Besonders lecker finde ich ja Milben. Das sind kleine Spinnentiere, die manche Menschen krank machen können. Gut schmecken auch die Schimmelpilze, die so an mancher Tapete kleben. Aber für euch sind die leider auch nicht gesund. Also besser nicht selbst ausprobieren. Außerdem futtern wir Silberfischchen auch noch deine Haare und Hautschuppen weg, die auf den Boden gerieselt sind. Mjam! Kurzum: Wir verputzen Sachen, die Menschen schaden können und machen nebenbei auch noch eure Fußböden sauber. Wir sind nützlich!

Papier und Baumwolle? Lecker!

Und Silberfischchen können noch mehr tolle Sachen: Papier und Baumwolle essen zum Beispiel. Das macht uns kaum jemand nach. Kau du mal auf einer Socke oder einem Stück Zeitung herum und werde davon satt. Trotzdem kriegen wir von euch Menschen keinen Applaus dafür. Viele Leute finden uns eklig. Da habe ich vielleicht schon Grusel-Geschichten gehört!

Silberfischchen wurden schon mit Klopapier eingefangen und das Klo runter gespült! Ja, spinnt ihr denn? Da verziehe ich mich doch lieber in den Keller oder in Küchenschränke. Da sieht mich fast niemand. Und wenn es dort tatsächlich mal nichts zu essen gibt: Wir Silberfischchen können auch mal um die 300 Tage hungern!

Warum wir so heißen?

Na klar, Silberfischchen sind keine echten Fische. Es sind Insekten. Aber warum heißen die dann so? Das Silber kann man gut verstehen, schließlich glänzen die Tierchen metallisch. Aber Fischchen? „Der Name ist gar nicht so schlecht gewählt“, sagt der Tierarzt Dr. Burkhard Bauer. „Zum Einen ähnelt die Form der Tiere die von Fischen. Außerdem gehört dieses Ur-Insekt zu den ersten Tieren, die überhaupt das Wasser verlassen haben.“ Auf der Erde hat sich das Leben zunächst im Wasser entwickelt. Erst später haben die Tiere auch das Land als Lebensraum erobert. „Nach wie vor sind Silberfischchen auf Feuchtigkeit angewiesen“, erklärt Burkhard Bauer. Darum halten sich die Insekten auch so gern im Badezimmer auf.

Das Silberfischen hat auch einen anderen Namen: Zuckergast. Das Insekt ernährt sich nämlich nicht nur von anderen Insekten und Papier, sondern auch von Zucker und Stärke. Darum sind die Tiere zum Beispiel auch in Bäckereien anzutreffen. Besonders die Artgenossen, die es gern ein bisschen wärmer haben: die sogenannten „Ofenfischchen“.

Gibt es zu viele von diesen Insekten, werden sie zur Plage. Denn wer will schon gern Insekten in seinem Brötchen entdecken. Bäcker legen darum zum Beispiel Streifen mit Honig als Köder aus, an dem die Insekten dann kleben bleiben. Man kann die Tiere aber auch mit einem feuchten Lappen aus Baumwolle anlocken. Den kann man zusätzlich mit Kartoffel-Schale einreiben und über Nacht auf dem Boden liegen lassen. Der Lappen wird am nächsten Morgen einfach vor der Tür ausgeschüttelt. Schon machen die Silberfischchen keinen Ärger mehr.

Lebende Fossilien

Sie sind schon über 300 Millionen Jahre alt. Deshalb sehen Silberfischchen aus wie Fossilien. Das sind die uralten Tiere, die man im Boden manchmal als Versteinerungen entdecken kann. Aber die Ur-Insekten sind nicht ausgestorben. Es gibt sie immer noch. Und weil sie von Anfang an so gut an die Natur angepasst waren, mussten sie sich keinen Schritt verändern. Viele Insekten sehen in ihrer Entwicklung sehr unterschiedlich aus. Zuerst schlüpfen sie als Larven oder Raupen, dann wachsen ihnen Flügel. Mücken oder Schmetterlinge beispielsweise. Das Silberfischchen sieht von seiner Geburt an immer gleich aus. Wie ein silbernes Fischchen eben. Und es kann bis zu fünf Jahre alt werden!

Text und Bild: Philipp Brandstädter,
zunächst erschienen über dpa Nachrichten für Kinder, Januar 2014

Quellen

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